Wrabetz kapituliert vor der Belegschaft
Der ORF-Boss muss auf den roten Niko Pelinka und einen schwarzen Politwunsch verzichten. Nun findet er, dass Stiftungsräte nicht direkt ins Unternehmen wechseln sollten.

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Die Redakteure des ORF triumphieren über den Rückzug des "kleinen Niko" Pelinka und die Kapitulation von "Super-Alex" Wrabetz - brechen in der Öffentlichkeit aber nicht in allzu lautes Jubelgeheul aus. Sie freuen sich über eine "entscheidende Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks". Ihre Sprecher betonen: "In unseren Protesten ist es nie um den Kampf gegen einzelne Personen gegangen, sondern um das System der politischen Packelei."
"Unwürdiges Theater"
Vorerst bleibt der "persönliche Karriereschritt" auf den Küniglberg aber nur zwei Wunschkandidaten der Politik verwehrt: Nikolaus Pelinka gab gestern per Aussendung bekannt, dass er seine Bewerbung als Leiter des Büros von ORF-Boss Alexander Wrabetz zurückziehe. Er wolle "weitere untergriffige Angriffe gegen mich, meine Familie und mein persönliches Umfeld" vermeiden, dem Unternehmen das "unwürdige Theater" nicht länger zumuten, schreibt Pelinka, der bis Weihnachten die roten Stiftungsräte im Kontrollgremium anführte. Der 25-Jährige hält aber auch fest: "Dieser Schritt erfolgt nicht, weil ich die falsche Person für diesen Posten bin." Er wolle nur "nicht das Symbol für etwas sein, das nicht meiner persönlichen Wertehaltung entspricht".
Der zweite Stiftungsrat, der den Job, den ihm Warbetz versprochen hat, nicht bekommt, ist Robert Ziegler. Er saß als schwarzer Betriebsrat im Aufsichtsrat, verlängerte dort mit seiner Stimme wie Pelinka Wrabetz Vertrag und sollte einen neu erfundenen Posten für "Bundesländerkoordination" bekommen. Diesen wird es nun nicht geben, Ziegler bleibt Vize-Chefredakteur im Landesstudio Niederösterreich und fühlt sich in die Affäre "ungerechtfertigt hineingezogen".
Auch eine eigene Stelle für "Strategische Planung" wird er nun nicht einrichten, gab Wrabetz gestern bekannt. Auf diese wollte er seinen Büroleiter, Kurt Reissnegger, wegloben. Da er Pelinka nun nicht bekommt, leistet er sich keinen neuen Büroleiter. Reissnegger betont gegenüber der Kleinen Zeitung, er bleibe nur deshalb, weil es der "erklärte Wunsch" der Redakteurssprecher und der Belegschaft war. Hätte ihn nur Wrabetz zum Bleiben aufgefordert, hätte er anders entschieden.
Die anderen "politisch motivierten Postenbesetzungen", wie es die Redakteurssprecher genannt haben, revidiert der ORF nicht: Ex-ÖVP-Politiker Helmut Krieghofer bleibt Tiroler Landesdirektor; der bisherige rote Betriebsrat Michael Götzhaber Technikdirektor. Gegen seinen Stellvertreter Thomas Prantner kämpft der Betriebsrat noch.
Auch Krieghofer und Götzhaber waren zuvor Stiftungsräte. Wrabetz meinte gestern in seiner schriftlichen Erklärung, solche sollten nicht direkt, sondern erst nach einer Abkühlphase in das Unternehmen wechseln können. Das ist freilich Sache des Gesetzgebers. SPÖ, FPÖ und Grüne haben schon einmal ähnliche Vorschläge geäußert.
"Selbstbewusste Energie"
Wrabetz schrieb auch: "Mein Ziel ist es nun, die Dynamik der Diskussion und die positive selbstbewusste Energie der ORF-Belegschaft nachhaltig aufzugreifen." Vor allem dieser Satz lässt die Belegschaft triumphieren - in aller Dezenz.














