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Zuletzt aktualisiert: 19.01.2012 um 17:08 UhrKommentare

Pelinka geht, weil nicht alles geht

Des Generals "Wunschkind" hält sich auch nach seinem Rückzug für den richtigen ORF-Büroleiter, SPÖ-Kanzler Faymann hält nicht viel von Reformen des Staats- und Parteienfunks, Wrabetz hat die Stellungausschreibung abgeblasen: Was kann sich nun ändern im ORF? Von Thomas Golser.

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Quelle © 120119_pelinka.jpg | Foto: KLZ Digital Vom Stiftungsrat ins Abseits

"Jetzt werden wir mal dieses Verfahren ordentlich zu Ende bringen, und dann wird schon wieder Ruhe einkehren": Noch am 8. Jänner zeigte sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz recht optimistisch, die für ihn (und vor allem für seine Redakteure) leidige "Causa P." abzuschließen. Die selbst ausgestellte Rechnung ging nicht auf, Niko Pelinka hielt nach Wochen des Protests seine Bewerbung für eine nicht mehr gangbare Option.

Rückzug vor dem Einzug

Rückzug vor dem Einzug - der Druck wurde offenbar auch in der mit Hochdruck-Ventilen versehenen ORF-Chefetage zu massiv. Niko Pelinka will nicht mehr, obwohl er so wohl noch wollte - und könnte. Das offenbar gut eingeimpfte Selbstvertrauen wurde (zumindest nach außen hin) kaum ramponiert. Sein Schritt erfolgte nicht, weil er "die falsche Person für diesen Posten" sei, ließ der 25-Jährige in seiner am Donnerstagvormittag verschickten Rückzugserklärung wissen. Und: "Die andauernde öffentliche Debatte über meine Person und meine mögliche Bestellung zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors hat ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr akzeptabel ist. Ich ziehe mich von dieser Ausschreibung zurück".

Wieder alles in Ordnung im Mikrokosmos des ORF also, für die Belegschaft - und vor allem für den Konsumenten? Kaum. Das Maß an Vertrauen, das für den Zuseher im Laufe der letzten Jahre recht sorglos und ungeniert verschüttet wurde, wieder aufzufüllen, wird auch nach der für alle Beteiligten leidigen Causa P. keine unbedingt einfache Aufgabe: Der Generaldirektor bleibt selbstverständtlich der gleiche, große Teile der Politik halten nichts davon, den ORF völlig dem Dunstkreis der Parteien zu entziehen. Egal, welche Farbe im Parlament nun gerade das Sagen und die wirklich wichtigen Telefonnummern eingespeichert hat.

SPÖ-Klubchef Josef Cap z.B. kann sich angesichts der Diskussion um die Aufstellung des ORF allenfalls eine "Abkühlphase" vorstellen, die verbietet, dass Stiftungsräte nahtlos ins Unternehmen wechseln. Für Parteigenossen und Bundeskanzler Werner Faymann ist ohnehin ganz klar: "Dass Parteien gar nichts mehr zu reden haben, das gibt es in ganz Europa nicht", tönte er im Nationalrat und stellte den ORF gar auf eine Stufe mit der BBC. Trotz der gegenwärtigen Diskussion sei nicht alles so schlecht. ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf will immerhin ein neues ORF-Gesetz, mit dem der Stiftungsrat in einen Aufsichtsrat nach Vorbild einer Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll.

Einen bleibenden Eindruck könnte die Wut hinterlassen haben: Hundertausende sahen mittlerweile das Zwei-Minuten-Protest-Video auf YouTube, in dem 55 ORF-Redakteure sich den Frust über permanente Ausmalversuche im eigenen Haus von der Seele rappten. 1.316 Mitarbeiter-Unterschriften gegen parteipolitisch motivierte Personalia bedeuteten, dass drei Viertel der Belegschaft offiziell vieles nicht mehr schlucken wollen. Zweifellos: Der kollektive Aufstand im Redaktions-Team des ORF war mutig und Respekt abringend. Nicht selten war in den Meinungsforen zu lesen, man habe dies dem Staatsfunk gar nicht mehr zugetraut. Ein besonders wackerer Armin Wolf freute sich gar darüber, dass ein deutscher Konkurrenz-Sender den Zuständen am Küniglberg einen Beitrag widmete.

Vertrauen fehlt weiterhin

Doch: Das Vertrauensdefizit in die Berichterstattung und Diskussionsgestaltung ist ein grundlegendes: Auch bei durchaus vorhandener Sympathie für zur Schau gestellten Berufsethos und Courage der ORF-Nachrichten-Redakteure stellten und stellen sich viele die Frage, wie denn einige von jenen Redakteuren, die nun Protest einlegten, seinerzeit selbst zu ihren Posten gekommen waren. Für den erfahrenen Österreicher ist klar, dass Parteien und ihr Einfluss auf vieles im Land wie Quallen sind: Nicht unbedingt sehr hübsch anzusehen, nicht immer greifbar, doch - wenn das Milieu stimmt - allgegenwärtig. Das Sittenbild wurde hier über zu viele Jahre mit allzu dicken Strichen aufgetragen.

Man darf nun mit Spannung auf den Nachfolger des nie Dienst Antretenden warten - vorerst wurde die Stellenausschreibung aber von Wrabetz selbst abgesagt.

THOMAS GOLSER

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