Wer werfe da den ersten Stein?
Peter Strasser genialer Exkurs über Unschuld.
Zu den vielen herausragenden Eigenschaften des großen geistigen Vernetzers Peter Strasser zählt es, den Leser schon mit den ersten Sätzen zielsicher abzuholen, um mit ihm gemeinsam ein schier unermesslich weites Feld zu betreten. Dem Phänomen der Unschuld und den vielen Widersprüchen, denen dieser vermeintlich so hohe Begriff ausgesetzt ist, gelten seine jüngsten Betrachtungen, aus zahllosen und häufig verblüffenden Blickwinkeln getätigt.
Denn Unschuld, dies signalisiert schon der Untertitel dieser auf geniale Weise geglückten Abhandlung, ist ein "verfolgtes Ideal", das sein friedfertiges, idyllisches, ja, paradiesisches Dasein nur auf dem Papier fristen darf. In der Realität stirbt sie den Kältetod oder sie wird zum Fall für den Narrenturm.
Peter Strasser liefert etliche Belege, er ruft Parzival, den "tumben toren", Don Quichotte, Dostojewskis "Idioten", die sprichwörtliche "Unschuld vom Lande" und viele andere herbei, um seinen (bedingten) Schuldspruch über die Gesellschaft zu sprechen: "Niemand soll unschuldig sein dürfen". Denn: "Reinheit beschämt uns."
Wer also werfe den ersten Stein? Der Schuldige oder der Unschuldige? Letzterer am besten gleich auf sich selbst. Erst aber sollte jeder etwas anderes werfen: Mehr als einen Blick in dieses ganz und gar herausragende Buch. WERNER KRAUSE













