Entrüstungen & Blödeleien
Das "klagenfurter ensemble" plant für 2012 vier Eigenproduktionen, darunter eine Kammeroper sowie Hommagen an Werner Kofler und Karl May.
Für "ke"-Chef Gerhard Lehner war Werner Kofler "der meistvernachlässigte Autor im gesamten deutschen Sprachraum". Diesem Misstand möchte der Theatermacher zumindest nach dem Ableben des Schriftstellers ein wenig Abhilfe schaffen. Anstelle eines ursprünglich geplanten Thomas Bernhard-Abends hat Lehner kurzfristig eine Hommage an den selbst ernannten "Meister der üblen Nachrede" auf den kommenden Spielplan gesetzt. Arbeitstitel (nach einem von Klaus Amann herausgegebenen Kofler-Lesebuch): "In meinem Gefängnis bin ich selbst der Direktor". Rüdiger Hentzschel wird anhand von Texten des gebürtigen Villachers das "Pandämonium des Werner Kofler" auf die Bühne bringen und vor allem "dessen Entrüstung über die Kärntner Verhältnisse, die wir ja alle haben", so Lehner. Das Motto dafür hat man sich vom römischen Autor Juvenal ausgeborgt: "Difficile est satiram non scribere". Erst recht in Kärnten.
Neben der für Juni geplanten Kofler-Würdigung hat das "klagenfurter ensemble" für 2012 drei weitere Eigenproduktionen in Arbeit. Eine davon wird in bewährter Manier Andreas Staudinger absolvieren, der diesmal das Klagenfurter Messegelände ins Visier seines "topischen Theaters" nimmt. Titel des mit 20 bis 30 Schauspielern konzipierten Stücks: "Frei Raum".
Winnetou lässt grüßen
Einer pubertären Leidenschaft von Josef Winkler ist wiederum das für September anberaumte Auftragswerk "Hatatila" zu verdanken, das laut Lehner "eine ordentliche Blödelei" werden könnte. Winkler: "30 bis 40 Karl May-Bücher waren die ersten Bücher meiner Kindheit, die ich gelesen habe und die es mir ermöglicht haben, im Kopf aus dem engen katholischen Dorf zu verschwinden, in den Wilden Westen und in den Nahen Osten ein- und unterzutauchen". Als Dank dafür schreibt der Kameringer einen vergnüglichen Beitrag zum 100. Todestag von Karl May und wünschte sich diesmal ein orientalisches Honorar: einen schönen Teppich aus dem Privatbesitz Lehners. Weiters auf dem "ke"-Programm steht die Uraufführung einer Kammeroper von Erling Wold, welche der amerikanische Komponist nach Texten von Daniil Charms schreiben wird.
Als Wiederaufnahme ist im Feber erneut Felix Strassers "Nein Naus" zu sehen. Noch bis Dienstag steht die ebenfalls erfolgreiche Jandl-Hommage "scheissen tag" auf dem Programm des "Theater Halle 11". Zu den bisherigen Besuchern des Stücks zählte auch der designierte Stadttheaterintendant Florian Scholz, was für die Off-Bühne ein beinahe historisches Ereignis ist.
Infos: www.klagenfurterensemble.at














