Auf den Spuren der deutschen Moderne
"Espressionismo": Die Villa Manin zeigt rund 100 Meisterwerke aus dem Berliner "Brücke"-Museum.
Grobe, holzschnittartige Umrisse und ein intensives Grün kennzeichnen das Titelbild der aktuellen Ausstellung in der Villa Manin. Das sozialkritische Mädchenbildnis "Marcella" schuf Ernst Ludwig Kirchner fünf Jahre nach der Gründung der Künstlervereinigung "Die Brücke", an der neben ihm auch die Dresdener Architektur-Studenten Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff beteiligt waren. Das Gemälde aus dem Jahr 1910 ist eines von rund 100 Meisterwerken aus dem Berliner "Brücke"-Museum und mit der Wanderausstellung erstmals in Italien zu sehen. Es zeigt auf eindrückliche Weise, wie die einstigen Revoluzzer versuchten, eine Brücke zu neuen Kunstufern zu schlagen und dabei alle Konventionen der akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts hinter sich ließen: durch Abkehr von einer scheinbar objektiven, äußeren Wirklichkeit und gleichzeitiger Hinwendung zu subjektiven Erfahrungen und seelischen Phänomenen.
In der prachtvollen Residenz des letzten Dogen von Venedig begegnet man neben den "Brücke"-Gründern auch weiteren Wegbereitern der deutschen Moderne, Max Pechstein etwa oder dem später dem Germanentum verfallenen Emil Nolde, der mit seiner ausdrucksstarken, teils religiös inspirierten Malerei wiederum den Wahlkärntner Werner Berg beeinflusste.
Die von Magdalena Moeller und Marco Goldin gestaltete Schau zeichnet in chronologischer Abfolge vor allem die Anfangsphase des deutschen Expressionismus vor dem Ersten Weltkrieg nach und veranschaulicht die Einflüsse der primitiven Kunst auf die exotische Motivik bei Pechstein, des französischen Impressionismus auf die Porträt- und Landschaftsbilder von Schmidt-Rottluff oder die stilistische Nähe von Heckel zu Vincent van Gogh (Bild).
Neben Meisterwerken der Ölmalerei zeigt die Schau auch etliche Holzschnitte, in denen die "Brücke"-Maler ihren vitalen und kantigen Stil voll ausleben konnten, Otto Müller etwa in Form von nackten Mädchengestalten auf freier Wildbahn.
Als Vorbereitung für den Besuch in der Villa Manin empfiehlt sich ein bereits zu Tourneebeginn erschienenes Katalogbuch, das die Meisterwerke des Berliner "Brücke"-Museums auch in deutscher Sprache zugänglich macht. EH















