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Zuletzt aktualisiert: 06.12.2011 um 20:40 UhrKommentare

Jerger: "Grundsätzlich ist das Museum voll funktionstüchtig"

Thomas Jerger (39), ab Jänner Chef des Landesmuseums Kärnten, über seine Pionierarbeit in Oberösterreich, seinen Pläne für Klagenfurt und seine besondere Schwäche für Reptilien.

Thomas Jerger

Foto © EggenbergerThomas Jerger

Das Kärntner Landesmuseum hat dieser Tage erstmalig das Österreichische Museumsgütesiegel bekommen. Was macht Ihre Meinung nach die Güte des Museums aus und wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

THOMAS JERGER: Grundsätzlich ist das Museum voll funktionstüchtig, weil darin gesammelt, geforscht, ausgestellt und vermittelt wird. Strukturell entspricht es den Kriterien des Museumsgütesiegels. Bei der Bewertung durch eine Jury wurden aber auch Schwächen offenbar: im Bereich der Depots, der Klimatisierung, der Präsentation. Das sind die Kritikpunkte gewesen, die mir zur Verbesserung übertragen sind. Bei Nichterfüllung der Kriterien würde man das Gütesiegel nach fünf Jahren wieder verlieren, was in keinem Fall Ziel sein kann.

Sie wurden am Montag von der Landesregierung bestellt und werden im Jänner Ihr Amt antreten. Was werden Ihre ersten Maßnahmen sein?

JERGER: Das erste, was ich verbessern möchte, ist der kommunikative Auftritt nach außen. Der gute Wille ist sicher jetzt schon vorhanden, aber die grafische Linie möchte ich neu überdenken. Das Ziel, den Namen Rudolfinum als Marke zu etablieren, ist ein weiterer Punkt.

Wenn wir schon beim Außenauftritt sind: Wie sehen Sie das Aufregerplakat zur Dessous-Ausstellung?

JERGER: Ich hätte mich eher für ein historisch prägnanteres Sujet entschieden. Es ist ein gut gemeinter Aufreger und natürlich ein hochinteressantes kulturhistorisches Thema. Gestern waren, obwohl Montag, viele Schulklassen in der Ausstellung.

In der Steiermark wurden zuletzt Millionen ins Joanneum investiert. Andernorts wurden Landesmuseen überhaupt neu gebaut. Wie sehen Ihre Pläne für Kärnten aus?

JERGER: Die historische Architektur des Landesmuseums ist auch ein touristisches Qualitätsmerkmal. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gilt es die bestehende Substanz in Schritten zu verbessern.

Wodurch konkret?

JERGER: Ich denke, man sollte den jetzigen Eingangsbereich attraktiver und die jetzt ziemlich versteckte Landesbibliothek mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Auch ein Café und ein qualitätsvoller Museumsshop gehören in ein Museum des 21. Jahrhunderts. Die Dauerausstellungen selbst kann man mit gezielten Eingriffen, wie beispielsweise einer neuen grafischen Gestaltung, verbessern. Wichtig erscheint mir auch die Positionierung des Museums als Forschungs- und Bildungseinrichtung. Hier haben wir mit den Naturwissenschaften, der Archäologie und den Kulturwissenschaften eindeutige Alleinstellungsmerkmale, die im Fokus stehen.

In Oberösterreich haben Sie zehn Jahre lang einen Verbund von rund 280 Museen geleitet. Was waren Ihre Aufgaben?

JERGER: Wir sind eine Servicestelle, die Museen berät, deren Gründung unterstützt oder sogar die Realisierung übernimmt. Das für mich erfolgreichste Projekt war die Gestaltung eines "Museums in der Schule" im Innviertel, wo wir eine bedeutende Sammlung von naturkundlichen Objekten, historischen Musikinstrumenten usw. entlang der Lehrpläne thematisch aufbereiteten: zu Naturraum, Regionalgeschichte, Erdöl, Milchwirtschaft etc. In Taufkirchen kommen nicht die Schüler ins Museum, sondern das Museum ist in den Schulalltag und Unterricht integriert.

Sie haben bislang an der Johannes Kepler-Universität in Linz Museums- und Ausstellungswesen gelehrt. Werden Sie diesen Job beibehalten?

JERGER: Das möchte ich auf jeden Fall, da der Zugang junger Leute zum Thema Museum enorm wichtig ist und ganz neue Sichtweisen und Bedürfnisse ins Zentrum der Museumsarbeit stellt.

Haben Sie abseits ihrer Museumsleidenschaft Hobbys?

JERGER: Meine Frau und ich reisen sehr gerne. Ein anderes Hobby schränkt das wieder ein: Wir haben einen Leguan und drei ungiftige Kornnattern, die während unserer Reisen von lieben Nachbarn gefüttert werden müssen.

Wie kommt man zu einem solch exotischen Hobby?

JERGER: Mein heute 20-jähriger Stiefsohn hat einmal bei einer Reptilienbörse eine Eidechse um zehn Euro gekauft. Jetzt ist die "Eidechse" ein 1,8 Meter langer grüner Leguan. Es mag komisch klingen, aber er ist ein echtes Kuscheltier. Die werden 30 Jahre alt. Er wird vermutlich mit mir in Pension gehen.

Haben Sie in Klagenfurt bereits eine Wohnung mit schlangenfreundlichen Nachbarn gefunden?

JERGER: Nein, aber ich bin sehr zuversichtlich und freue mich schon riesig auf Kärnten.

Haben Sie einen Wunsch ans Christkind bzw. an die Politik?

JERGER: 2014 feiert das Rudolfinum sein 130-Jahr-Jubiläum. Ich wünsche mir, dass bis dahin die infrastrukturellen Voraussetzungen für ein besucherorientiertes, modernes Museum geschaffen sind, mit Shop, Gastronomie und einem prägnanten Ausstellungsprogramm.

ERWIN HIRTENFELDER

Zur Person

Thomas Jerger, geb. am 9.11.1972 in Salzburg, studierte Kunstgeschichte und Kulturmanagement. Seine Diplomarbeit beschäftigte sich mit Delacroix.

Ist seit 2001 Geschäftsführer des Verbundes Oberösterreichischer Museen. Entwickelte u. a. die Online-Plattform "Forum OÖ Geschichte". Ist auch Administrator des Österr. Museumsgütesiegels.

Leitet ab 2012 für vorerst fünf Jahre das Kärntner Landesmuseum.

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