Das definitive Dutzend: Best of 2011
Zeit nehmen, zurücklehnen, genießen, herumspringen - und aufdrehen: Der Musikgeschmack des Redakteurs darf nun nach Herzenslust gepriesen und verflucht werden. Die subjektiven Jahresbesten, ob Sie wollen oder nicht, von Sebastian Krause.

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Radiohead – Little by Little (Caribou RMX)
Die wohl beste Band der Welt – ja, Radiohead, denn R.E.M. gibt´s nicht mehr (und das nicht erst seit heuer) – bewegte sich mit "The King Of Limbs" weg von den Grooves vergangener Großtaten. Hin zu Beweglichkeit, Polyrhythmik und vertrackten Strukturen. Als ob das alleine noch nicht großartig wäre, legten die Briten das Album noch in die Hände einiger der besten elektronischen Musiker. Und die verzichteten meist auf die Polyrhythmik und brachten den Beat zurück. Besser als Caribou kann man es nicht machen.
Bon Iver – Perth
Wer gemein ist, der fragt sich vielleicht, ob Bon Ivers Neueste das beste Genesis-Album ist, das es nie gab. Mag schon sein, denkt sich der, dem Schubladen egal sind. Scheiss auf Phil Collins, denkt sich der, der einfach nur Ohren für unglaublich durchdachte und mitreißende Musik hat.
Vessels – Altered Beast
Ein wenig geschummelt ist er schon, dieser Eintrag. Die Platte erschien in den USA schon 2010, in Europa jedoch erst heuer. Das reicht, um die hüfthohen Kriterien dieser Kategorie zu überwinden. Instrumentaler Prog-Rock in seiner besten, weil kreativsten Form – ohne Pathos und Arroganz.
The Antlers – I don´t want love
Fühlt sich an, als würde der Brustkorb mit einem Knall aufbrechen und das Innerste käme nach Außen. Irgendwie ist das aber nicht blutig, nicht bedrohlich, sondern wunderschön und leuchtend und warm. Und ein Schmetterling, der war da auch noch.
Four Tet – Locked
Kein Jahr ohne Four Tet auf der Liste: Kieran Hebdan verlängert den vielleicht beeindruckendsten Lauf der jüngeren Musikgeschichte um ein weiteres Jahr ohne einen schlechten Song. Anstatt ganzer Alben gab reihenweise in Eigenregie veröffentlichte 12-Inches – stellvertretend dafür der Track "Locked". Erschienen auch auf dem großartigen Fabric-Live-Mix von September.
Deadverse Massive – Takeover
Der Hip-Hop, der riecht auch 2011 noch immer ein wenig streng. Faltige Beats, lebensmüde Reime und inkontinente Attitüde tragen nicht dazu bei, dem Genre frischen Wind einzuhauchen. Was mal von der Straße kam ist heute Mainstream-Hip und klinisch nahtod – doch es gibt ihn noch, den guten Hip-Hop.
The War on Drugs – I was There
Der Soundtrack des letzten Sommers. Warm, fern und bittersüß wie der perfekte Roadtrip asphaltieren die US-Amerikaner jede Gehirnwindung. Tut im Winter manchmal weh, ist aber: ganz große Kunst.
Bill Callahan – Baby´s Breath
Bill Callahan, Großmeister der Musik, die man in amerikanischen Filmen nie hört, wenn der Protagonist einsam und kettenrauchend in einer Bar in seinen Scotch weint, obwohl sie doch genau dort vermuten würde. Callahan legte 2011 ein weiteres großartiges Album vor, voller Lyrik, Melodie und Melancholie.
Christian Kjellvander – Transatlantic
Gleich noch so ein Song, schwarz wie eine mondlose Nacht, in der Tradition großer skandinavischer Schweremüter.
Burial, Four Tet & Thom Yorke – Ego
Drei, die den Dubstep aus der Taufe gehoben haben ihn nun seltsam nervös umkreisen, da der Mainstream sie vom Untergrund auf die Bühne holen will. Dann schon lieber eine 12-Inch veröffentlichen, limitiert und ohne Promotion. Man ist betont anders, betont gut und betont uneitel – und doch: es klingt noch immer ein wenig nach Dubstep und das ist gut so.
Jai Paul – BTSU
Müsste ein Song aus 2011 für die Ewigkeit bestehen bleiben, es wäre dieser. Paul erschuf ein Biest aus Pop, Elektronik, Mut und Kreativität. So klingt die Musik der Zukunft, auch wenn von Jai Paul vor und nach dieser Single nichts mehr zu hören war.
Wilco – One Sunday Morning
Elegischer Ausklang, bei dem einem warm ums Herz werden muss. Zwölf Minuten spärlich instrumentierte Gigantonomie der Gefühle.















