Ekstase erweitert Bewusstsein des Publikums
Symphonische Triumphe für Orchester und Solist.
GRAZ. So auf dem Quivive, so alert und konzentriert hört man das Grazer Philharmonische Orchester nicht jeden Tag. Allein, ein besonders erregendes Programm, der Dirigent Tomás Netopil und der Starpianist Boris Berezovsky fordern ihr Publikum im Stephaniensaal,
Schon das Klavierkonzert in Des-Dur (1936) des armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan führt Aug und Ohr in ein Extremerleben: Väterchen Stalin im Hintergrund, die Erinnerung an den Genozid im ersten Satz, die überschäumende Rhythmik der Folkloreanklänge und die ekstatisch-fingerbrecherischen Skalenläufe am Klavier, da bleibt kein Gefühlsüberschwang unangetippt. Stark die Wirkung des Flexatons, das sich Töne zurechtbiegt wie eine singende Säge.
Doch Boris Berezovsky hat noch mehr im Köcher: Die dreißig Variationen von Franz Liszt über "Dies irae", komprimiert im umwerfenden "Totentanz" (1849/59). Als Zugabe überrascht Berezovsky mit dem subtilen "Schwan" (Saint-Saens/Godowsky).
Geradezu bewusstseinserweiternd zum Finale Alexander Skrjabins "Le poème de l'extase" (1907), dieses monströs-zukunftsweisende Crescendo einer einsätzigen Sehnsuchtssymphonie eines Theosophen, der der Soloflöte, der Solovioline und den Trompeten alles abverlangt. HANSJÖRG SPIES.














