Cartier-Bressons Reisefotos im Kunsthaus
Einer der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts, Henri Cartier-Bresson, wird ab Donnerstag im Wiener Kunsthaus geehrt: Unter dem Titel "Der Kompass im Auge: Amerika. Indien. Sowjetunion" wird das fotografische Werk des Weitgereisten aufgeblättert, der selbst stets betonte, dass seine Leidenschaft dem Leben und nicht der Fotografie gelte. Eben diese Haltung macht das Oeuvre des Fotokünstlers aus.
"Fotografie heute wäre ohne ihn nicht denkbar", beschied Kunsthaus-Chef Franz Patay bei der Präsentation am Mittwoch. Dabei habe man sich für die Schau explizit der Reisefotografie des Künstlers zugewandt, unterstrich Kurator Andreas Holzherr.
Cartier-Bresson (1908 bis 2004) war schon zu Lebzeiten legendär, weit über Fachkreise hinaus. Er verstand sich weniger als Reisender, denn als Beobachter des Geschehens. Insgesamt 214 Fotografien aus fünf Jahrzehnten verdeutlichen im Kunsthaus nun Cartier-Bressons Impetus, als Beobachter mit der Kamera unbemerkt zu bleiben. Er lehnte inszenierte Fotografie ab. Bei ihm kommt kein Blitzlicht zum Einsatz, auch Farbe nur sporadisch.
Als Kooperationspartner für die Kunsthaus-Ausstellung wurde neben der Fondation Henri-Cartier-Bresson auch die Agentur Magnum Photos gewonnen, die 1947 von Cartier-Bresson mitbegründet wurde, um mittels Fotoreportagen gesellschaftliches Engagement zu beweisen. Da sich die Magnum-Gründer die Welt für ihre Arbeit aufteilten und Bresson Asien zufiel, prägte der Kontinent in den kommenden Jahren seine Arbeit. Kurz nach der Unabhängigkeitserklärung Indiens in Bombay, traf Cartier-Bresson 1948 Mahatma Gandhi. Nach dessen Ermordung fotografiert er die Stunden rund um Gandhis Tod. 1950 und 1966 kehrt er jeweils für mehrere Monate in das Land zurück.















