Lange weile diese subtile Langeweile
Gut 25 Jahre ist es her, da debütierte der Belgier Jean-Philippe Toussaint mit dem scheinbar absurden Roman "Das Badezimmer". Sein namenloser Protagonist kann der Welt und dem Leben draußen keinen Sinn mehr abgewinnen und beschließt, den Rest seines Dasein in der Badewanne zu verbringen. Ein skurriler, kluger und zynischer Roman ist daraus entstanden. Nun fand Toussaint in England einen kongenialen Bruder im Geiste. "Der Kanal" von Lee Rourke firmiert als Geschichte über die Langeweile, die aber an zunehmend verblüffenden Spannungsmomenten keinerlei Wünsche offen lässt.
Die Ausgangslage der Story ist simpel. Ein junger Londoner beschließt, der Eintönigkeit, die ihn umgibt, ein Ende zu bereiten. Er geht nicht mehr zur Arbeit, sondern setzt sich auf eine Parkbank in der Nähe eines Kanals. Was folgt, ist ein Feuerwerk an subtilen und pointierten Beobachtungen und die Parkbank-Bekanntschaft mit einer rätselhaften jungen Frau. Ein finten- und emotionsreicher Zeitbefund, virtuos aufbereitet. WERNER KRAUSE














