"Visitation" bei den Legehennen
"Borderline. Schreiben an der Grenze" beim Alpe-Adria-Literatursymposion, wo man in memoriam Janko Messner seine "Hühnergeschichte" vorlas.

Foto © EinhauerIm Sitzen über die Grenzen: Der Kärntner Schriftstellerverband lud wieder zum trilateralen Symposion
Eine Situation, wie sie auch Maja Haderlap in "Engel des Vergessens" beschrieben hat: auf welche Weise Hühner daraufhin untersucht werden, ob sie ein Ei tragen. Das erzählt auch der vergangene Woche verstorbene Janko Messner in seiner 1988 publizierten "Hühnergeschichte": Jeden Morgen kontrollierte die Mutter die Legehennen. "Das nannte sie Visitation", heißt es da. Die nacheinander an den Flügeln von der Stange gelüpften Gackerer wurden mit unerschrockenem Griff in das Hinterteil auf ihre Lage kontrolliert.
Im Gedenken an den Kärntner Autor Janko Messner verlas der Präsident des Kärntner Schriftstellerverbandes, Gerard Kanduth, diesen Text zu Beginn des 6. Trilateralen Alpe-Adria-Literatursymposions. Die Alte Burg in Gmünd war an diesem Wochenende wieder Treffpunkt für Autoren aus Friaul, Slowenien und Österreich, darunter die Triestiner Dichter Marko Kravos und Pietro Spirito. Vorgestellt wurden sie von Roberto Denedaro, aktiv als Lyriker und im italienisch-slowenischen Kulturverein und Literaturzentrum GRUPPO 85.
"Wir haben das Symposion Janko Messner gewidmet, der noch im hohen Alter zu unserer Vereinigung gestoßen war", sagte Kanduth, der auch stolz auf die neu gestaltete Homepage www.kaerntner-schriftsteller.at verwies.
Erschriebene Welten
Das Motto "Borderline. Schreiben an der Grenze" will Symposionsorganisator Reinhard Kacianka nicht pathologisch gedeutet wissen. "Das Schreiben selber ist eine dauernde Borderline-Erfahrung", sagt Kacianka, denn "jeder Autor bricht mithilfe der Sprache eine eigene Welt auf". Vielmehr geht es auch um die Grenze(n), die man mittels des schon bewährten und von Elisabeth Faller mitorganisierten Treffens überwinden will. "Literatur macht Europa als Übersetzungsprojekt erfahrbar", so Kacianka.
Neben Jani Oswald, der aus seinen lyrischen, nicht selten auch die Sprach-Grenzen zwischen dem Deutschen und dem Slowenischen überschreitenden Werken las, und dessen wissenschaftlicher Beobachterin Marjeta Schwarz, die als Kulturwissenschafterin eine Masterarbeit über die Lyrik Oswalds vorgelegt hat und auch darüber referierte, war Rut Bernardi Vortragende: Die Südtirolerin gehört der ladinischen Sprachgruppe an und beforscht deren Literaturgeschichte.
Die Veranstaltung wurde auch heuer wieder durch Konzerte, wie mit DJ Bobo und Balkanfever, und bis in die Nacht währende, multilinguale Kamingespräche umrahmt.














