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Zuletzt aktualisiert: 29.10.2011 um 22:44 UhrKommentare

"Ich schiele nie auf den großen Erfolg"

In den USA läuft der Film erst an. In Europa und auch in Österreich ist Steven Spielbergs neuester Film bereits jetzt zu sehen. "Tim und Struppi - Das Geheimnis des Einhorns" - Ein Gespräch darüber und andere Themen.

Foto © AP

E s war Anfang der siebziger Jahre. Die Wiener Verleihfirma erhielt aus der Zentrale in Los Angeles einen Anruf: "Wir haben da einen Film, der in Amerika im Fernsehen lief. Bei euch kommt er ins Kino. Wir schicken euch den jungen Regisseur nach Wien. Der gilt als Wunderkind!" Der Film hieß "Duel", der Regisseur waren Sie. Fühlen Sie sich noch immer als Wunderkind?

STEVEN SPIELBERG (lacht): Ich habe sieben Kinder. Spätestens, als das Erste geboren wurde, war ich selbst diesen Status los.

Wie sind Sie zu Tim und Struppi gekommen?

SPIELBERG: Hergé zeichnete seine humoristischen Abenteuercomics ab 1929 und dann bis zum Ende seines Lebens im Jahr 1983. Viele haben seine Figuren schon für sich entdeckt, als sie gerade zu gehen begannen. Ich erst in meinen Dreißigern. Aber weil ich doch immer Kind geblieben bin, habe ich die Bände in England besorgt und sie auch meinen Kindern nahe gebracht.

Wieso hat es dann so lang gedauert, bis Sie diese Abenteuer auf die Leinwand gebracht haben?

SPIELBERG: Filme und Kinder haben eines gemeinsam. Sie brauchen viel Zeitaufwand. Und ich glaube, früher hätte ich diesen Film gar nicht machen können. Erst jetzt stand mir ein großartiges Drehbuch zur Verfügung. Und die richtige Technik.

Sie haben im Motion Capture Verfahren gedreht, bei dem Stimme, Mimik und Bewegungen der Schauspieler in den Computer eingespeist und dann mit den digital entworfenen Comicwesen zusammengerechnet werden. Außerdem verwenden Sie 3-D. Wie wichtig ist Ihnen 3-D?

SPIELBERG: Vor allem mit dem Motion Capture Verfahren konnte ich Stil und Ton der Bücher perfekt bewahren. Gegen 3-D habe ich nichts, solange es der Geschichte dient. Ich lasse nicht extra Gegenstände im Raum herumfliegen, um das Publikum zu beeindrucken. Auch glaube ich, dass Kinokarten für einen 3-D-Film nicht teurer sein sollten als für normale Filme.

Vor Jahren hatte der Zeichner Hergé wegen Tin Tin auch Kontakt mit Disney aufgenommen. Die haben ihn ignoriert. Warum, glauben Sie?

SPIELBERG: Vielleicht waren in seinen Geschichten zu wenig Tiere.

Manche vergleichen Tin Tin mit Indiana Jones. Was denken Sie?

SPIELBERG: Wenn ich Ihnen das bestätige, würde mir Harrison Ford vielleicht nie wieder einen Indiana-Jones-Film drehen. Aber, nun ja: Weder Indy noch Tin Tin sind klassische Helden, sondern ganz normale Leute.

Apropos Indy. Es war ja schon öfter von einem fünften Teil die Rede?

SPIELBERG: Mein Partner George Lucas und ich wollen. Einiges ist schon vorbereitet. Wenn George mir die Idee für die Story bringt, werde ich mich wieder auf den Regiesessel schwingen.

Als Sie den Film drehten, seien viele Ihrer Kollegen aus "Studiengründen" an das Set gepilgert, heißt es, stimmt das?

SPIELBERG: Ja. Die meisten blieben ein paar Stunden, Clint Eastwood nur 15 Minuten. Als er all das technische Zeug sah, sagte er: "Das ist jenseits meines Begriffsvermögens."

Was hassen Sie beim Filmen?

SPIELBERG: Alle Realitäten wie zum Beispiel Produktionsmeetings. Da gehe ich gar nicht hin und bin froh, dass ich meine Produktionspartnerin Kathleen Kennedy habe. Sie nimmt an den Sitzungen teil und erklärt mir nachher alles auf watscheneinfache Art. So kapiere ich es.

Wie entwickeln Sie Ihre Projekte?

SPIELBERG: Nicht pragmatisch. Ich sage nie: "Das muss geschehen!" Ich warte einfach. So, wie ich bei "Tim und Struppi" gewartet habe. Und ich mache meine Filme für das Publikum, schiele nie auf den großen Erfolg. Nehmen Sie "Schindlers Liste". Da waren viele skeptisch. Wer will schon, meinten sie, einen Film über den Holocaust sehen? Ich wusste nur eines: Es gab für mich gar keinen anderen Weg, als diesen Film zu machen. Dass er kommerziell so erfolgreich sein würde, habe ich nie geahnt. Und den Oscar schon gar nicht.

Waren Sie, der große Meister, je eifersüchtig auf den Film eines anderen?

SPIELBERG: Ja, "Avatar" hätte ich gerne selbst gemacht. Aber das ist nicht Eifersucht im klassischen Sinn, sondern eine Art Begeisterung für einen Erfolg, den nicht ich hatte. Ich lasse mich gern inspirieren, oft stehe ich nach einer Kinovorstellung auf und beginne zu Hause an einer Idee zu schreiben. Und ich leide, furchtbar mit, wenn ich einen schlechten Film sehe, sage dann: "Oh Gott, es ist ja wahnsinnig schwer, einen guten zu machen." Sehe ich einen guten Film, sage ich begeistert: "Oh Gott, wie schwer muss das gewesen sein!"

INTERVIEW: LUIGI HEINRICH


Fakten

Steven Spielberg, geboren am 18. 12. 1946 in Cincinnati.

Der weiße Hai machte ihn 1975 weltberühmt.

Filme wie Indiana Jones, Jurassic Park, E.T., Die Farbe Lila, Catch Me If You Can, aber auch Schindlers Liste machten ihn zum Superstar seiner Branche.

Preise: Oscar, Golden Globe, César und rund 50 weitere.

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