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Zuletzt aktualisiert: 23.10.2011 um 11:26 UhrKommentare

Gounods "Faust" in Baden begeistert Publikum

Hin und wieder will man in der Operettenmetropole Baden unter Beweis stellen, dass man auch große Oper auf die Bühne des Stadttheaters zu stellen imstande ist. So auch mit Charles Gounods "Faust", der am Samstagabend in einer ausladenden Inszenierung des Hausherrn Robert Herzl zur Premiere gelangt ist. Viel Applaus nach dreieinviertel Stunden Spieldauer.

Wer sich an eher konventionellem Musiktheater erfreut, findet hier das passende Angebot: Kein Anflug von Modernität trübt das Konzept, mit dem Herzl seine klare Vorstellung vom "bürgerlichen Schauspiel über fehlende Toleranz" umsetzt. Pantelis Dessyllas hat ein wandlungsfähiges Bühnenbild entworfen, das sich als praktisch erweist, nur bei einer Aufschrift ("Association des veteran") irritiert ein grammatikalischer Fehler.

Das Wort "Hure" steht in unauslöschlicher Kreideschrift an der Wand und symbolisiert, welchem Ausmaß an moralisierendem Mobbing die arme Margarete (überzeugend: Katharina Persicke) unterworfen ist. Den militanten Ungeist unterstreicht ein Werbeplakat für die Fremdenlegion. Doch sonst halten sich Regie und Ausstattung mit jeglichen Anspielungen, geschweige denn aktualisierender Art, zurück, man folgt der Urfassung aus dem Jahr 1859 und bezieht auch die große Balletteinlage mit ein, die allerdings als regelrechte Kitschorgie daherkommt.

Das Orchester unter der Leitung von Franz Josef Breznik spielt sehr animiert, und die stimmlichen Leistungen sind durchwegs erfreulich. Als Mephisto vermag Josef Wagner am ehesten auch darstellerisch zu punkten, er erntete dafür auch den meisten Beifall. Sebastian Reinthaller ist ein souveräner, jedoch etwas blutleerer Faust, Christa Ratzenbeck als Marthe gelingt es sogar, witzige Momente ins düstere Geschehen zu schmuggeln, Reinhard Alessandri gibt einen präsenten Valentin ab, und Elvira Soukop ist ein reizender Siebel. Alternierend stehen in weiteren Aufführungen Matjaz Stopinsek in der Titelrolle, Andreas Jankowitsch als Mephisto und Hanna Kim als Margarete zur Verfügung.

Quelle: APA

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