Ein Genius, Popstar, Frauenheld
Morgen jährt sich der Geburtstag von Franz Liszt zum 200. Mal: Der Charismatiker aus dem burgenländischen Raiding war ein absoluter Virtuose des Klaviers und der amourösen Abenteuer.
E r war ein Superstar, er war so populär, er war so exaltiert, because er hatte Flair . . ., sang Falco anno 1985. Sein Hit hätte aber genauso gut "Rock me, cooler Franzl" statt "Rock me, Amadeus" heißen können. Denn Franz Liszt war auch ein Wunderknabe, aber eben nicht aus Salzburg, sondern aus Raiding. Und er war wie Wolfgang der Große ein virtuoser Komponist, und Pianist, ein Frauenheld und ein Popstar seiner Zeit.
Eine "Lisztomanie" diagnostizierte Heinrich Heine einst unter dessen Fans, und Hans Christian Andersen schilderte nach einem Konzert Liszts in Hamburg: "Wie ein elektrischer Schlag fuhr es durch den Saal, als er hereintrat. Die Mehrzahl der Damen erhob sich, und ein Sonnenglanz verbreitete sich auf jedem Gesicht."
Es sollte oft blitzen im Leben des französischen Deutsch-Österreichers aus Ungarn. Seine erste Liebe als 17-Jähriger zu Caroline de Saint-Criq, der Tochter des französischen Innenministers, war zwar wegen des großen Altersunterschiedes gescheitert und ließ ihn in tiefe Depressionen stürzen. Aber bald lagen dem charismatischen Ungestüm die Frauen zu Füßen - Groupies der Klassik. "Das ganze weibliche und aristokratische Publikum ist für mich", schwärmte Liszt in einem Brief. Obwohl später mit Gräfin Marie d'Agoult verheiratet, pflegte Liszt auf seinen Konzertreisen amouröse Abenteuer sonder Zahl. Die Ehe endete ebenso wie seine spätere zwölfjährige Beziehung zu Carolyne zu Sayn-Wittgenstein.
Als Genius "zwischen Klostermauern und Komtessen" beschreibt ihn das Diözesanmuseum Eisenstadt, das dem "Abbe Liszt" noch bis 11. November eine Schau zum Thema "Mensch und Musik im Spannungsfeld des Glaubens" widmet und dabei beleuchtet, dass Liszt ungeachtet seiner wilden "Frauengeschichten" auch ein tief religiöser Mensch gewesen sei, der 1865 von Papst Pius IX. die sogenannten niederen Weihen erhielt.
Petit Litz
Franz Liszt, am 22. Oktober 1811 im damals noch ungarischen Raiding geboren, fand in seinem Vater Adam einen strengen Musikerzieher, der ihn bald in ganz Europa präsentierte; auch da wurden Parallelen zu Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart gezogen. Der kleine Franz, der schon mit sieben Jahren das Notenschreiben allein erlernt und bei Carl Czerny und Antonio Salieri in Wien studiert hatte, verstand es bald, "sich mit außerordentlichen Fertigkeiten auf dem Clavier zu produciren". In Paris stieg er als zwölfjähriger "petit Litz" endgültig zur Berühmtheit auf, und ein Rezensent lobte ihn als "wiedergeborenen Mozart".
Der Hype um seine Person zeitigte nicht immer nur Schönes: Als Kind schnitt sich Liszt mit einer Rasierklinge die Haut zwischen den Fingern auf, um die Oktaven am Klavier leichter greifen zu können. Bald erwies er sich als ewig Rastloser - "Seit 14 Tagen arbeiten mein Geist und meine Fingern wie zwei verdammte", offenbarte er einem Freund seine unstillbare Musikbegeisterung. Und er wurde zunehmend eitel und ruhmsüchtig.
Wanderjahre verschlugen Liszt in die Schweiz und nach Italien. Erst Weimar wurde ihm "ein Fixstern, dessen wohltuende Strahlen meinen weiten Weg beleuchteten". In der Thüringer Residenzstadt blieb er mit Unterbrechungen 30 Jahre. Dort wirkte Liszt als passionierter Förderer zeitgenössischer Musik und dirigierte zahlreiche Kompositionen von Hector Berlioz oder seinem späteren Schwiegersohn Richard Wagner - 1850 etwa die Uraufführung von "Lohengrin". Dort komponierte er ein Gros seines Werkes von immensem Umfang, darunter zum Beispiel die Sonate in h-Moll, die als das "Opus summum" seiner Klavierwerke gilt.
Maurice Ravel sah im Werk von Liszt, der im Juli 1886 im Alter von 74 Jahren in Bayreuth an einer Lungenentzündung starb, "tumultuöses, siedendes, ungeheures, großartiges Chaos musikalischer Materie". Und diese Materie schwingt noch heute.















