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Zuletzt aktualisiert: 16.10.2011 um 20:30 UhrKommentare

Salomes Liebestod in der Zisterne

Regisseuse Marguérite Borie wirft einen spezifisch weiblichen Blick auf Prinzessin Salome.

WIEN. Warum spielt die Wiener Volksoper die "Salome", obwohl diese Oper von Richard Strauss ohnehin derzeit in der Inszenierung von Boleslaw Barlog aus dem Jahr 1972 auf dem Spielplan der Staatsoper steht? Sie kann sich immerhin rühmen, nach der 1906 in Graz vom Komponisten dirigierten Österreich-Premiere 1910 die erste Wiener Eigenproduktion präsentiert zu haben. Und sie zeigt jetzt eine Inszenierung, die einen ganz anderen, spezifisch weiblichen Blick auf das Geschehen wirft.

Die deutsch-französische Regisseuse Marguérite Boras verzichtet in ihrer heuer schon in Monte-Carlo und Lüttich gezeigten Inszenierung auf eine örtliche oder zeitliche Festlegung und die im Text erwähnten Requisiten, bevorzugt bis hin zum abgeschlagenen Haupt des Jochanaan Stilisierungen. Auf der fast kahlen Bühne Laurent Castaingts geht nur von der Zisterne, die als Jochanaans Gefängnis dient, ein strahlendes Licht aus.

Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen interessiert sie sich weniger für das Schwüle und Morbide, das Üppige und Laszive und unterläuft die gängigen Klischees auch bei dem stilisierten Schleiertanz, bei dem die Männer an Herodes Hof in Raserei geraten. Bourie nimmt den Hinweis von Strauss ernst, Salome sei keine männermordende Femme fatale, sondern eine "keusche Jungfrau" und zeigt deren Suche nach Liebe und einer reineren Welt, die in einen Liebestod mündet. Salome wird nicht auf Befehl des Herodes getötet, sondern steigt freiwillig in die Zisterne hinab.

Das Konzept geht auf, weil die Holländerin Annemarie Kremer bei ihrem phänomenalen Rollendebüt mädchenhafte Töne anzuschlagen vermag, und dennoch die Durchschlagskraft besitzt, um sich gegen das unter Roland Böer unsauber, grobschlächtig und viel zu laut musizierende Orchester durchzusetzen, das dennoch zum Schussapplaus auf der Bühne erscheinen durfte.

Kraftvoll orgelt Sebastian Holecek den Jochanaan, vokale Autorität verströmt Irmgard Vilsmaier als Herodoas, während Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Herodes, Jörg Schneider als Narraboth und die übrigen Mitwirkenden blass bleiben. ERNST NAREDI-RAINER

Salome. 18. Okt., 4., 8., 13., 16., 20., 23., 27. Nov. an der Volksoper Wien. Karten: Tel. (01) 513 1 513. www.volksoper.at

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