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Zuletzt aktualisiert: 03.10.2011 um 20:30 UhrKommentare

Die Liebe zum Voluminösen

Fernando Botero ist ungebrochen produktiv. Bald 80, kämpft der kolumbianische Maler und Bildhauer aber nach wie vor gegen Missverständnisse.

Lächerlich", sagt Fernando Botero. "Es ist absolut lächerlich, dass Malerei ein flaches Medium sein soll." Wie es in den 1960er-Jahren in New York behauptet wurde. Dorthin war der junge Kolumbianer nach Jahren in Italien übersiedelt, um sein Glück zu machen. "Flach" - "flat" - sei das Zauberwort gewesen. In seinem Klassiker "Das gemalte Wort" beschreibt das Tom Wolfe so böse wie witzig.

Botero, der an der Volkskunst Südamerikas und den Meisterwerken der europäischen Renaissance Geschulte, ließ sich nicht beeindrucken. "Natürlich", sagt der bald 80-Jährige in seinem Pariser Atelier im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, "war das nicht leicht." Seine erste Ausstellung in New York, 1962, habe grässliche Verrisse geerntet.

Aber schon ein Jahr später war im Museum of Modern Art (MoMA) sein (schon 1961 angekauftes) Bild "Mona Lisa mit zwölf Jahren" zu sehen. Parallel zur Präsentation von Leonardos berühmten Frauenporträt im Metropolitan Museum.

Belege, dass Malerei nicht "flach" sein muss, gibt es in den lichten Räumen nahe dem Boulevard Saint-Germain zur Genüge. Ältere und ganz neue. Botero malt täglich, abwechselnd an mehreren Gemälden. Bilder aus einem neuen Kreuzweg lehnen an den Wänden. Für den Agnostiker "einfach ein großes Thema der Kunstgeschichte". Auf der Staffelei wartet ein gewichtige Familienaufstellung auf ihre Vollendung.

Ob Christus, die beiden Schächer, Maria oder die kolumbianische Sippe: die abgebildeten Figuren sind unverkennbar Botero. Dick? Ein Wort, das der polyglotte Mann aus Medellín (der außer in Paris ein Atelier im toskanischen Pietrasanta hat, sich aber auch immer wieder in New York und Bogotá aufhält) nicht gerne hört. Das Wort habe, so erzählt man, auch die Freundschaft zwischen ihm und Mario Vargas Llosa getrübt.

Zornige Szenen

Ein profunder Text des Literaturnobelpreisträgers wird dennoch im Katalogbuch zur Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien zu lesen sein. Als Eröffnungsredner wollte ihn Botero aber nicht. Und so wird ein anderer Mario, Adorf nämlich, die Schau einbegleiten. Botero-Fan und Stimme im feinen Film, den Peter Schamoni 2007 über den Künstler drehte: "Botero. Geboren in Medellín".

"Volumen", sagt Botero. An Volumen sei er interessiert. Seit Mitte der 1950er-Jahre rückt er deshalb pralle Körper ins Bild. Von der Kunstgeschichte (siehe "Mona Lisa") ebenso inspiriert wie vom kolumbianischen Alltag (auch mit seinen Schattenseiten von Mord und Totschlag) und von der Weltgeschichte. 2004/05 malte und zeichnete er zornig mehr als achtzig Bilder nach den berüchtigten Szenen aus dem irakischen Gefängnis.

Aber selbst bei diesem Zyklus, den er der Sammlung der Universität Berkeley schenkte, musste Botero mit dem oberflächlichen Blick von Betrachtern kämpfen, die "fröhliche Fette" sichteten. Tatsächlich schwer nachvollziehbar. Wahr ist vielmehr: fröhliche Fette finden sich in fast keinem Botero-Bild. Nicht einmal in scheinbar fröhlichen.

Beim Essen in Boteros Lieblingslokal gleich nebenan noch ein heikles Thema: Stierkampf. Mit zwölf habe man ihn in eine Torero-Schule geschickt, nach zwei Jahre Lehre die Feststellung: "Nicht das Richtige für mich."

Ein Aficionado ist Botero gleichwohl. Diesbezüglich lässt der liebenswürdige Meister keine Zweifel: "Stierkampf ist Kultur und keine Quälerei. Im Gegensatz zur Massentierhaltung." Das Stierkampfverbot in Katalonien sei politisch gegen Madrid gerichtet und kein Akt der Tierliebe. Auch die Stierkampf-Bilder verklären das blutige Ritual nicht zur fröhlichen Folklore. Aber sie bieten reichlich Material für künstlerische Abhandlungen zum Thema Volumen.

À propos Volumen. Im spektakulären Privatmuseum des australischen Milliardärs David Walsh in Tasmanien findet sich Boteros monumentale Bronze "Leda und der Schwan" in Nähe zu einem von Erwin Wurms "Fat Cars". Irgendwie logisch.

Fernando Botero. Bank Austria Kunstforum. 12. Oktober bis 15. Jänner. www.bankaustria-kunstforum.at

WALTER TITZ

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