Burgtheater-Premiere: Das schwarz-weiße Land
Kultregisseur Alvis Hermanis zeigt an der Burg mit Arthur Schnitzlers "Das weite Land", dass dieses großartige Stück enorm viel aushält.

Foto © APAKatharina Lorenz als 'Erna' und Falk Rockstroh als 'Doktor Franz Mauer'
Unbunter geht's nicht mehr: Selbst das Licht des Heizstrahlers ist LED-weiß, die Lippenstifte der Damen sind silbergrau. Die markantesten Farbpunkte setzt die Glut der (reichlich konsumierten) Zigaretten. Bühnenbildner Hermanis hat den Wunsch des Regisseurs Hermanis, Arthur Schnitzlers geniale Tragikomödie "Das weite Land" (1911) als Film noir zu inszenieren, sehr ernst genommen.
Gleich die ersten Szenen zitieren ausgiebig diesen US-Kinostil der vierziger Jahre. Jalousien werfen Schlagschatten, hinter ihnen huschen Silhouetten, sollen sie bedrohlich wirken, wird das akustisch durch Bratschengebrummel angezeigt. Der exakt konzipierte Soundtrack (Raimund Hornich/Florian Pilz) spielt eine der Hauptrollen.
Auch Evas Desseckers Kostüme hätten Humphrey Bogart oder Mary Astor gut gepasst. Gestisch sind ihre Trägerinnen nicht immer ganz im Genre: Manche Bewegungen der (großartigen) Dörte Lyssewski als Genia wären eher Stummfilmdiven wie Gloria Swanson zuzuordnen.
Erotik-Bonvivant
Dennoch: Diese Genia Hofreiter ist eine Salonlöwin mit Vampreserven, die die Eskapaden ihres Gemahls Friedrich irgendwie bewältigen könnte. Nicht aber den Umstand, den Tod zweier Adoranten indirekt mitverschuldet zu haben. Peter Simonischek gibt den monomanen Erotik-Bonvivant mit fast bedrohlicher Präsenz. Sein jüngster Flirt Erna (Katharina Lorenz) ist hier kein süßes Mäderl, sondern eine vitale, expressive Luxusschlampe. Wunderbar ist auch Falk Rockstroh als verzagter Doktor Mauer.
Alvis Hermanis hält sein Konzept vier Stunden lang eisern durch. Er lässt es auch tüchtig freudeln. Das im Original omnipräsente Tennisspiel wird hier durch Billard ersetzt. Und spätestens in den Hotelszenen am Völser Weiher schimmert ein bisschen Twin Peaks durch.
Verdient starker Applaus für die Schauspieler, erwartbar, aber ungerecht, ein paar Buhs für die Regie. - Ein langer, aber auch starker Abend.
Features
Wissenswert
Das weite Land von Arthur Schnitzler. Regie & Bühne: Alvis Hermanis. (Burgtheater, Wien). Mit Peter Simonischek, Dörte Lyssewski, Falk Rockstroh u. a. Termine: 7./21./25./26. Oktober. Karten: (01) 513 1 513














