Grelles Gewand für das Land
Ein facettenreicher, manchmal auch zerfranster Theaterabend: In der neuenbuehnevillach feierte die Realsatire "Zur goldenen Unschuld" Premiere.

Foto © Klopf/NBV Da bleibt das Lachen im Hals stecken: Realsatire mit Maximilian Achatz, Tamara Stern und Michael Weger (v. l.)
Wegen die Bandscheiben, da kann i jetzt nur noch mit'm Strom schwimmen", bedauert Michael Weger als radlfahrender Protagonist. Er hechelt im grellen Trikot durch die Uraufführung in der neuenbuehnevillach "Zur goldenen Unschuld". Das anspruchsvolle Stück hat Regisseur Erik Jan Rippmann aus Textbeiträgen erfolgreicher Kärntner Dramatiker montiert. Heraus kommt ein facettenreiches, manchmal aber auch zerfranstes Theaterstück.
Höchst gelungen ist das Bühnenbild von Andreas Lungenschmid: Auf einer großen Scheibe dreht sich das Geschehen ebenso im Kreis wie so manche Problematik im Land. Für den Antrieb sorgen die beiden Schauspielerinnen Katrin Ackerl Konstantin und Tamara Stern. Wie Esel an einem Schöpfradbrunnen legt man sich ins Zeug.
Eingangs erklingen zwei durch Philip Kandler visualisierte Texte von Peter Turrini und Silke Hassler vom Band. Durch Kärnten durch, aus Kärnten raus: Durchgehend herrscht eher Bedrücktheit. Die in der jüngsten Geschichte über Kärnten hereingebrochenen, von maßlosen Politikern und Geldarbeitern angerichteten Katastrophen bekommt man in den folgenden Sequenzen präsentiert.
Maximilian Achatz und Katrin Ackerl Konstantin im Jagdgewand haben immer neue Charaktere. Tamara Stern im Dirndlkleid spielt ein putzendes, unterwürfig-naiv weibliches Wesen. Seine komische Seite lebt Michael Weger aus, indem er als Running Gag atemlos am Schauplatz eintrifft und philosophiert, sich in fanatisches Anhängertum an den einstigen Landeshauptmann Wagner und die Roten hineinsteigert. Alle Parteien bekommen ihr Angerichtetes serviert.
Insgesamt ein forderndes Stück: Man bleibt von der darstellerischen Umsetzung beeindruckt, ist von den realen Vorbildern verärgert, eine neue Perspektive ist nicht in Sicht. Die vom Regisseur vorgegebene Rahmenhandlung blieb vage. Textbeiträge von renommierten Autoren wie Josef Winkler, Ute Liepold und Antonio Fian waren für den Regisseur Material, aus dem er die "Realsatire zum Landesdrama" flocht. Flucht als Ausweg? Mitnichten: Wie heißt es doch bei Hassler: "Wenn alle weggehen aus Kärnten, gibt es ja kein Kärnten mehr."
Zur goldenen Unschuld. Realsatire von Erik Jan Rippmann. Weitere Termine: 24., 28.-30. Sept., 1. Okt., 6.-8. Okt., 12.-15. Okt, 18. bis 22. Okt., 20 Uhr, neuebuehnevillach. Karten: Tel. (042 42) 28 71 64
www.neuebuehnevillach.at













