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Zuletzt aktualisiert: 07.09.2011 um 20:30 UhrKommentare

Intellektuell abgehoben

"gramma ", eine Oper des spanischen Komponisten José María Sánchez-Verdú aus dem Jahr 2006, kam nun in Wien zur österreichischen Erstaufführung.

A ltägyptische Textfetzen, Stimmgeräusche, Zitat aus Werken Ovids, Platos, Augustinus' und aus der Bibel, in Latein und Deutsch, Filmzuspielungen von regennassen Fensterscheiben bis zu spielenden Kindern, dazu eine atonale Kammermusik, die wie hingetupft wirkt - "gramma" ist ein gutes Beispiel für jenes mehrheitliche zeitgenössische Opernschaffen, das intellektuell abgehoben und schwer bis gar nicht verständlich ist und auch sein will.

Immerhin gibt es eine Erläuterung von Regisseur und Filmemacher Christoph Zauner: "In sechs nicht miteinander in Verbindung stehenden historischen, philosophischen und literarischen Szenen setzt sich Sánchez-Verdú mit der Schrift, der Erinnerung, dem Vergessen und letztlich mit Erkenntnis auseinander."

Das tut er mit einer 21-köpfigen Instrumentalgruppe (amadeus-ensemble), einem stummen Tänzer (Paul Lorenger), drei Sängern (Bibiana Nwobilo, Oliver Ringelhahn, Günter Haumer) und - in einer für ihn ungewohnten Rolle - Adi Hirschal als Rezitator.

Schlauch

Ästhetisch ansprechend ist das Ganze durchaus, auf seine Art gut gemacht, auch wenn es sich einer konventionellen Form von Kritik entzieht. Die expressivste der sechs Szenen ist die Nr. 4, "Adonisgärten", und hier entfaltet auch die Musik ihre stärkste emotionale Wirkung.

Effektvoll das Schlussbild, wenn sich ein an der Decke hängender Sack zu einem Schlauch ausstülpt und den Tänzer verschluckt. Nicht zu vergessen das Ambiente des Semper-Depots, das mit seiner einzigartigen Architektur allein schon einen Besuch wert ist.

Zwei "fremde" Musikstücke sind eingestreut: Charles Ives' Orchesterstück "The Unanswered Question" und eine Arie für Sopran mit Lautenbegleitung von Claudio Monteverdi. Souveräner musikalischer Sachwalter des Abends ist der Dirigent und das Hirn der "Neuen Oper Wien", Walter Kobéra. Und die Spieldauer von 70 Minuten gerade richtig, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.

HARALD STEINER

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