Machtgier und Moralapostel
Ein Abschiedsfeuerwerk entzündet Festivalchef Marco Müller im letzten Jahr seiner Regentschaft. Mit Streifen von George Clooney, Roman Polanski und Madonna begannen die 68. Filmfestspiele in Venedig, bei denen Stars wie Kate Winslet und Al Pacino erwartet werden.

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Georrrge! Georrrge ! » schreien die braun gebrannten Italienerinnen in den bunten Sommerkleidern am roten Teppich. Wenn Charmeur und Dauergast George Clooney im offenen Hemd vom Motorboot steigt, wird die Mostra wach geküsst.
Moralische Abgründe spielten anfangs die Hauptrolle in den Filmen von George Clooney, Roman Polanski und sogar bei Madonna. George Clooney, der hier in Venedig vor Jahren mit seiner ersten Regiearbeit triumphierte, eröffnete das Rennen um den Goldenen Löwen mit seinem eleganten Politthriller "The Ides of March" über Loyalität und Verrat. Er verkörpert darin den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Mike Morris als charmanten und liberalen Posterboy. Morris' mit schillernder Ambivalenz von Ryan Gosling gespielter PR-Manager entdeckt die Abgründe seines politischen Helden, in der eine blonde Praktikantin eine sexuelle Rolle spielt. Mit einer klassischen Ästhetik, perfekt konstruiert, aber auch ein wenig harmlos in der Botschaft zeigt Clooney, dass Ideale zu zynischem Machthunger mutieren und Männer und Sex und Politik explosive Wirkung haben. "Seit Julius Cäsar hat sich daran nicht viel geändert" sagte Clooney auf der Pressekonferenz zu seinem Porträt einer korrumpierten Politikerkaste und lehnte es ab, selber in die Politik zu gehen.
Machtkämpfe
Seine Rückkehr wurde mit Spannung erwartet, aber der immer noch angeklagte Roman Polanski ging nicht das Risiko ein, selber an den Lido zu kommen. Sein erster Film seit seiner Entlassung aus dem Schweizer Hausarrest ist die Verfilmung von Yasmina Rezas Stück "Der Gott des Gemetzels" und verlegt die Arena der Machtkämpfe ins bürgerliche Wohnzimmer. Nach der Schlägerei ihrer Kinder im Park treffen sich die beiden Elternpaare zu einer Aussprache über die Gewalt. Bei Kaffee und Kuchen steigert sich die scheinbar kultivierte Begegnung zum grausamen Schlagabtausch. In seinem unbarmherzigen Kammerspiel der Selbstjustiz, bei dem misshandelte Hamster, brutale Kinder und das Elend von Dafour abgewogen werden, stellt Polanski seine Figuren unter humorvollen Hausarrest. Er spielt virtuos die Gegensätze und Schwächen der "Täter" und "Opfer" mit groben Boulevard-Effekten aus, ohne tief am Lack der Zivilisation zu kratzen. Lieber untergräbt er die Konventionen mit bissigem Humor und macht den Hang zum Moralapostel lächerlich. In seinem Starensemble mit Kate Winslet und Jodie Foster brilliert daher nur er: Christoph Waltz als zynischer Anwalt mit darwinistischer Weltsicht.
Liebesgeschichte
Madonna kam mit ihren zweiten Film, dem außerhalb des Wettbewerbs gezeigten Epos "W. E." über die Liebe von Edward VIII. zur Bürgerlichen Wallis Simpson, an den Lido. Sie wollte kein Biopic machen, sondern eine Liebesgeschichte erzählen, sagte sie auf der Pressekonferenz. In kurzen Rückblenden schildert sie die Liebe des Prinzen Edward, die ihn den britischen Thron kostet, sie konzentriert sich auf das Leben der jungen Wally (Abbie Cornish), die im heutigen New York die Beziehung zwischen Wallis und Edward als Beispiel aufopfernder Liebe verehrt. Dass darin ein Stück von Madonnas Romantik und ihren verlorenen Illusionen steckt, gestand sie auf der Pressekonferenz: "Wenn man plötzlich so berühmt wird wie Wallis Simpson, muss man vieles aufgeben. Die Menschen wollen dann nur noch einen Aspekt deiner Persönlichkeit wahrnehmen" sagte sie. Für den Preis der Liebe im goldenen Käfig fand Madonna eine sinnliche und detailverliebte Bildsprache.














