Nikolaus Fheodoroff: Pionier in der kosmischen Mitte
Im Alter von 79 Jahren verstarb der Musiker, Komponist und langjährige Obmann des Carinthischen Sommers - Nikolaus Fheodoroff. Kärnten trauert um einen großen Musiker und uneitlen Förderer des heimischen Kulturlebens.

Foto © KKEin Mensch und Musiker, an den sich viele gerne erinnern: Nikolaus Fheodoroff (1931-2011)
Er war Gründungsmitglied des Carinthischen Sommers, ORF-Redakteur, begeisterter Lehrer und Chorleiter und nicht zuletzt ein erfolgreicher Komponist, der seine Leidenschaft für die Kunst auch auf seine eigenen Kinder übertrug. Alle sechs haben ein Instrument gelernt. Zwei von ihnen wurden sogar Profimusiker. Und zahlreiche seiner Schüler wurden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens: die Wortmenschen Werner Schneyder und Florjan Lipu oder die beiden Politiker Peter Kostelka und Wolfgang Petritsch.
Sie alle symbolisieren die Vielschichtigkeit eines Mannes, der über Jahrzehnte hinweg das Kärntner Kulturleben prägte. Und sie alle trauern um einen väterlichen Freund und Förderer. Denn am vergangenen Freitag starb Nikolaus Fheodoroff kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Zwölftöner
Am 15. September 1931 in Villach zur Welt gekommen absolvierte Fheodoroff an der Universität Wien ein Lehramtsstudium in Musik und Germanistik, um sich daneben auch in der Praxis zu vervollkommen: Er schloss die Kapellmeisterschule ab, machte die Staatsprüfung im Orgelspiel und studierte Musiktheorie und Komposition beim Zwölftöner Josef Matthias Hauer.
Nach beruflichen Anfängen als Lehrer (u.a. in Tanzenberg) übernahm der promovierte Philosoph 1964 die Musikabteilung im ORF-Landesstudio Kärnten. Obwohl 27 Jahre lang in dieser Funktion tätig leitete er daneben den ORF-Kammerchor, den Rundfunkchor und bis 1998 auch den Madrigalchor Klagenfurt.
Als gefragter Organist war Fheodoroff auch Mitglied der Diözesankommission für Kirchenmusik und komponierte im kirchlichen Auftrag die "Gurker Festmesse". Gleichzeitig sorgte er regelmäßig für Aufträge an jüngere Komponistenkollegen wie Dieter Kaufmann, Hans Jörg Scherr, Erich Opitz, Norbert Artner, Gerhard Lampersberg oder Günther Antesberger.
Sein eigenes Schaffen umfasst Orchesterwerke, Kammermusik und sakrale Werke wie etwa die "Maria Saaler Weihnachtsmesse" (1984) oder das Oratorium "Elisabeth von Thüringen", das er erst vor Kurzem für das 300-Jahr-Jubiläum der Klagenfurter Elisabethinen komponierte. Als Dank wurden ihm vielfältige Ehrungen zuteil: vom Kulturpreis des Landes Kärnten bis hin zum Ritterschlag durch den Papst.
Tief betroffen von Fheodoroffs Ableben zeigten sich daher auch Kulturministerin Claudia Schmied ("ein wahrer Musikpionier"), Diözesanbischof Alois Schwarz sowie Kulturlandesrat Harald Dobernig. Während Letzterer von einem "schweren Schlag für das geistige Leben in Kärnten" sprach, würdigte Schwarz den "gläubigen Katholiken", der vielen "eine motivierende Stimme" war.
Hohe Messe
Als Eröffnungsredner beim letztjährigen Carinthischen Sommer motivierte Nikolaus Fheodoroff beispielsweise zum Besuch der "Hohen Messe" von Johann Sebastian Bach. Wer dieses Konzert auslasse, der versäume "die kosmische Mitte, nämlich die Gott, Mensch und Universum verbindende künstlerische Gestaltung jeglichen Musizierens in dieser Welt", ließ der Pädagoge mahnend wissen.
Als päpstlicher "Grabesritter", der sich für verfolgte Christen einsetzte und Musik "für eine heilige Kunst" hielt, hat Fheodoroff die "kosmische Mitte" bereits zu Lebzeiten erfahren dürfen. Sein Wirken als Mensch und Künstler möge uns noch lange daran erinnern. Und inspirieren.
Features
Zur Person
Der Komponist, dessen Werke auch beim Carinthischen Sommer aufgeführt wurden, heimste zahlreiche Preise und Auszeichnungen ein, so erhielt er den Kulturpreis des Landes Kärnten. 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Ritter des Silvesterordens.















