Wrabetz dementiert Absprachen
Die breite Zustimmung der Stiftungsräte aller Couleurs soll sich der SPÖ-nahe Alexander Wrabetz dem Vernehmen nach einiges kosten haben lassen. Wrabetz bestreitet Verhandlungen und Zugeständnisse.
Zuletzt ging es dabei vor allem um mögliche Personalzugeständnisse bei Landesdirektoren sowie auf der zweiten und dritten Managementebene, wie aus politischen Kreisen zu hören war. Wrabetz selbst wies dies zurück und betonte, dass es keine Personal-Zusagen an Stiftungsräte oder an Vertreter der Politik gegeben habe. "Im Gegensatz zu anderen Mitbewerbern habe ich nicht mit der Politik verhandelt", so Wrabetz am Dienstag nach geschlagenen Wahl.
Im ORF sowie auf politischer Ebene kursierten dennoch eine Reihe von möglichen Personalabsprachen rund um die ORF-Wahl. So soll dem Vernehmen nach auf SPÖ-Wunsch SP-Stiftungsrat Niko Pelinka trotz der jüngsten Aufregung um seine Person auf den Küniglberg wechseln und als Pressesprecher einen Teil der Agenden von Kommunikationschef Martin Biedermann übernehmen. Die SPÖ, die neben ORF-Generaldirektor Wrabetz auch Radiodirektor Karl Amon und Fernseh-Chefredakteur Fritz Dittlbacher für sich verbucht, möchte darüber hinaus den roten Betriebsrat Michael Götzhaber als Technikdirektor installieren, wie es heißt. Thomas Langpaul könnte auf SPÖ-Wunsch neuer Innenpolitikchef im Aktuellen Dienst des Fernsehens werden. Diesen Posten hat bisher Hans Bürger inne, den die Grünen im Gegenzug für ihre Stimme gerne weiter dort sehen würden.
Unter den Landesdirektoren dürfte im roten Burgenland Karlheinz Papst auf seinem Posten bleiben, in Salzburg gelten die frühere "Standard"-Journalistin und ehemalige SPÖ-Kommunikationschefin Katharina Krawagna-Pfeifer sowie Programmdirektorin Elfi Geiblinger als aussichtsreiche Anwärterinnen auf die Leitung des Landesstudios. In der Steiermark soll Gerhard Draxler im Amt bleiben, in Wien Brigitte Wolf.
Im Gegenzug für die Unterstützung Wrabetz' aus dem ÖVP-"Freundeskreis" bleibt Richard Grasl nicht nur Kaufmännischer Direktor und Stellvertreter des Generaldirektors, seine Direktion soll darüber hinaus auch mit zusätzlichen Agenden aufgewertet werden. So soll Grasl etwa mit der programmwirtschaftlichen Leitung einen stärkeren Zugriff auf die Programm- und Produktionsbudgets erhalten. Außerdem werde in der Kaufmännischen Direktion künftig die Abteilung "New Business Development" angesiedelt sein, heißt es.
Bürgerliche Personalwünsche könnten in den nächsten Monaten aber auch in den redaktionellen Bereichen von Radio und Fernsehen in Erfüllung gehen. So könnte Ö1-Innenpolitik-Chef Hannes Aigelsreiter Radio-Chefredakteur werden, falls der amtierende Radio-Chefredakteur Stefan Ströbitzer Channel Manager von ORF 2 wird. Im Fernsehen könnte Gerhard Klein, Hauptabteilungsleiter für Bildung und Zeitgeschehen, mit mehr Kompetenzen ausgestattet werden, und Stefan Gehrer könnte auf Wunsch der ÖVP stellvertretender Innenpolitikchef werden. Für die Leitung der "Zeit im Bild" wünscht sich die ÖVP dem Vernehmen nach Lisa Totzauer. Daneben ist zwecks Orchestrierung der Zusammenarbeit zwischen ORF-Zentrale und Landesstudios auch von einer möglichen Bundesländer-Koordinationsstelle die Rede, die ebenfalls mit einem von der ÖVP favorisierten Kandidaten besetzt werden könnte.
Auf schwarzer Bundesländerebene soll in Niederösterreich Landesdirektor Norbert Gollinger im Amt bleiben, Kurt Rammerstorfer nach Oberösterreich wechseln, und in Tirol könnte ÖVP-Stiftungsrat Helmut Krieghofer die Landesdirektion übernehmen. In Vorarlberg dürfte Wolfgang Burtscher vorerst im Amt bleiben.
Kolportierter Wunsch von Blau und Orange war die Zukunft von Onlinedirektor Thomas Prantner. Dieser soll dem Vernehmen nach als Vizedirektor der ORF-Technikdirektion fix sein, die in der neuen Geschäftsführungsperiode für "Technik, Online und Neue Medien" zuständig sein soll. Für Kärnten soll es zuletzt um die Nachfolge von Landesdirektor Willy Haslitzer noch ein Match zwischen FPK und BZÖ gegeben haben. Das BZÖ wünscht sich "Kärnten heute"-Chefin vom Dienst Karin Bernhard als künftige Landesdirektorin, das FPK macht sich demnach für Programmdirektor Martin Weberhofer stark.
Offen ist die Besetzung der TV-Direktion. Hier will sich Wrabetz jedenfalls nicht ins Ruder greifen lassen, heißt es. Die Entscheidung liegt ganz beim neuen ORF-Chef. Es zeuge von breitem Vertrauen, dass "man hier auf meinen Vorschlag wartet", so Wrabetz. Es gebe eine engere Wahl, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.














