Konstantin Wecker: Mit Wut und Zärtlichkeit
Konstantin Wecker, Montagabend auf dem Grazer Schloßberg zu Gast, im Interview über seine neue CD "Wut und Zärtlichkeit", sein Haus in der Toskana und die Verlogenheit in der Finanzwelt.

Foto © LeodolterKonstantin Wecker
Samstag gastierte Konstantin Wecker in der Burgarena Finkenstein, Montagabend folgte ein Auftritt auf dem Grazer Schloßberg. Volles Programm also. Aber derzeit beschäftigt den Liedermacher primär seine neue CD.
Herr Wecker, am 16. September erscheint Ihr neues Album. Wie war Ihr erster Eindruck, nachdem Sie das fertig gemischte Produkt gehört haben?
KONSTANTIN WECKER: Ich muss ehrlich sagen: Ich bin schwer begeistert von mir. Aber da ist mir auch ein Geschenk gemacht worden. Es sind ja so viele Leute an so einer CD beteiligt, vom Toningenieur bis zum Produzenten. Und man hat das ja selbst nicht mehr so im Griff, weil in meinem Alter, das muss man offen sagen, die Ohren nicht mehr so gut sind.
Haben Sie da schon Probleme?
WECKER: Ja, mein Gott, vierzig Jahre Bühne hinterlassen gewisse Schäden.
Die neue CD wird "Wut und Zärtlichkeit" heißen. Worauf richtet sich die Wut?
WECKER: Auf die unsägliche weltweite politische Situation, auf einen wirklich hirnverbrannten, gemeingefährlichen Kapitalismus. Auf eine Finanzwelt, die jedes Maß und jede Moral verloren hat.
Sie sind ja vor vierzig Jahren als Liedermacher angetreten, um die Welt ein Stück zu verändern.
WECKER: Wenn ich mir die Welt jetzt so anschaue, kann ich nur sagen: Ich habe das nicht geschafft. Man kann wohl nur aufzeigen und aufklären. Ich betreibe seit acht Jahren die Website hinter-den-schlagzeilen.de und ich habe dafür extra einen Redakteur angestellt, der jeden Tag Zeitungsartikel verlinkt, die nicht in der Mainstream-Presse stehen oder versteckt auf Seite 40 statt auf Seite 1. Information ist etwas ganz Wichtiges und es tut sich ja auch etwas. Dass unsere Politiker Wendehälse sind, das weiß man. Frau Merkel hat als Umweltministerin ungeheure Sachen gesagt, jetzt ist sie plötzlich die grünste aller Umweltpolitiker. Aber es ist mir scheißegal, solange die Politiker sich irgendwann zusammenreißen und dem Druck der Straße auch einmal nachgeben.
Zurück zu Ihrer CD: Wie sind die Lieder entstanden?
WECKER: Innerhalb von drei Wochen in meinem Haus in der Toskana. Es musste einfach etwas Neues passieren und ich habe gedacht: Vielleicht ist das die Gegend, wo mich die Musen küssen. Der Kuss der Musen nimmt mit dem Alter bekanntlich ja auch ab. Aber in der Toskana waren noch ein paar da.
Kann man Ihr Haus in der Toskana eigentlich noch mieten?
WECKER: Ich habe beschlossen, damit aufzuhören. Ich will selbst wieder spontan hinfahren können. Es ist ja auch keine Geldanlage, sondern ein lebendes Haus, in dem man sein möchte.
Möchten Sie irgendwann ganz dort leben?
WECKER: Ich würde gerne die nächsten zehn Jahre dort verbringen, aber wenn man nicht mehr so ganz fit ist, will man in der Großstadt sein. Man geht dann vielleicht nicht mehr so viel spazieren, sondern mehr in die Oper.
Apropos Oper: Wie man hört, wollen Sie demnächst mit der Operndiva Angelika Kirchschlager zusammenarbeiten.
WECKER: Wir haben dafür das Jahr 2013 ins Auge gefasst, weil sie da Zeit für eine Tournee hätte. Ich komme ja ursprünglich aus der Klassik, mein Vater war ein bekannter Opernsänger.
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FAKTEN
Konstantin Wecker, geb. am 1. Juni 1947 in München. Liedermacher, Komponist, Schauspieler und Autor.
Bisher veröffentlichte er mehr als 30 Alben und verfasste rund 15 Musicals, zuletzt "Alexis Sorbas", 2010 uraufgeführt.
Als Literat verfasst er vor allem Lyrikbände. Maxime: "Schon Schweigen ist Betrug."














