Lucerne Festival heuer unter dem Leitmotiv "Nacht"
Am nächsten Mittwoch wird das Lucerne Festival im Sommer eröffnet. Das renommierteste Klassikfestival der Schweiz steht ihn diesem Jahr unter dem Leitmotiv "Nacht". Es dauert bis zum 18. September und umfasst über 70 Konzerte sowie zahlreiche Rahmenveranstaltungen.
Anknüpfungen für das Leitmotiv "Nacht" gibt es unzählige. Für Gustav Mahler etwa war der Komponist ein Nachtwandler: "Er weiß nicht, welchen Weg er schreitet, aber er geht dem fernen Lichte zu..." Für den Festivalintendanten Michael Haefliger ist die Musik "dem Traum, dem Dunklen und dem Unbewussten" verschrieben. Und so prägen denn auch "Nachtmusiken" das Programm. Es gibt Serenaden, Nachtgesäge, Nocturnes, Nachtgestalten und "Umnachtete". Eine ganze Konzertreihe, Insomnia genannt, hat Haefliger der Schlaflosigkeit gewidmet. Einen weiteren Zyklus bildet das Prinzip des "per aspera ad astra" ("durch Nacht zum Licht").
Ein zentrales Element des Lucerne Festival bilden auch in diesem Jahr die 34 Sinfoniekonzerte, eine Parade der weltbesten Orchester. Zwei herausragende Persönlichkeiten jedoch prägen seit Jahren das Festival: der 78-jährige Claudio Abbado und der 86-jährige Pierre Boulez. Abbado leitet das Festival Orchestra; es - respektive Mitglieder des Ensembles - bestreiten elf Konzerte. Das Eröffnungskonzert freilich sorgte im Voraus für eine Dissonanz. Die Zusammenarbeit von Abbado mit der Pianistin Hélène Grimaud platzte wegen "unterschiedlicher künstlerischer Auffassungen". Nun springt Radu Lupu in die Bresche und spielt Brahms' d-Moll-Klavierkonzert.
Boulez anderseits führt die Lucerne Festival Academy, zu der sich erneut 125 hochbegabte junge Musiker und Musikerinnen aus der ganzen Welt einfinden. Zugleich ist die Academy das Herz der zeitgenössischen Musik des Festivals. Boulez' Engagement hat wesentlich dazu beigetragen, dass Moderne Musik heute einen bedeutenden Anteil am Festivalprogramm hat.
"Composer-in-residence" ist der Österreicher Georg Friedrich Haas. Im Rahmen einer Werkschau werden Werke aus 15 Jahren präsentiert - von einer Neuinszenierung der Hölderlin-Oper "Nacht" bis zur Uraufführung seines 7. Streichquartetts mit Live-Elektronik.
Eigene Konzertreihen sind der Kammermusik, der alten Musik, Solorezitalen und Debutkonzerten gewidmet. "Ein Fest für Luzern" verspricht Festivalchef Michael Haefliger mit dem weitgehend gratis zugänglichen Rahmenprogramm. Es umfasst Open-Air-Übertragungen, Filme, Tango- und Balkannächte, Kleinkunst, Lichtspektakel, Jam- Sessions und Tanz.














