Signale aus dem Schützengraben
Arbos-Erinnerungsarbeit: Viktor Ullmanns "Kaiser von Atlantis oder die Todt-Verweigerung" in der Klosterruine Arnoldstein.

Foto © EinhauerUnermüdlich in seiner Erinnerungsarbeit: Arbos-Chef Herbert Gantschacher
Befreit vom Granatgrauen die Landschaft" beschrieb Viktor Ullmann 1917 seiner Freundin Anny Wottitz einen Moment der Stille im Kriegsgeschehen. Sein Beobachtungsstand während der Isonzoschlacht war auch ein Schützengraben im Gebiet von Coccau, unweit von Arnoldstein. Seine Erfahrungen hat Ullmann während der Inhaftierung im KZ Theresienstadt zu einer Oper verarbeitet.
Es ist Herbert Gantschacher von Arbos zu verdanken, dass nun die dokumentarische Fassung der Oper "Der Kaiser von Atlantis oder Die Todt-Verweigerung" in der Klosterruine von Arnoldstein zu sehen war. Eine Rarität, denn die Oper des am 18. Oktober 1944 in Auschwitz ermordeten Ullmann konnte nur dank zweier Mithäftlinge in das Heute herübergerettet werden.
Gemeinsam mit Erich Heyduck, der mit grafischen, animierten und Textelementen die Musik optisch umsetzte, hat Gantschacher ein bedrückendes, aber wichtiges Dokument geschaffen. Botschaft ist die Menschwerdung der zu Kampfmaschinen degenerierten Männer und Frauen. Zwei Kaisern, Franz Joseph und Karl I., wird "der Todt verweigert", wie es im Titel heißt. Wirklich tritt der Tod als allegorische Figur auf, ebenso der als "Lautsprecher" fungierende Kriegsbeobachter. Sein "Hallo, hallo" ist musikalisches Leitmotiv.
Stimmige Ergänzung ist die Ausstellung "Verweigert jede Militärarbeit" (bis 31. August, Mi.-So. 10-18 Uhr). Auf 18 Schautafeln sind Kriegsgegner, Friedensarbeiter und Deserteure quer durch die Geschichte und aus aller Welt versammelt. Das Wort "Militärarbeit" verwendete Elisabeth Teslin, eine Schweizer Antikriegsaktivistin, vor dem Ersten Weltkrieg. Ein ganz anderes Friedensmodell gelingt im äthiopischen Awra Amba, das sich selbst verwaltet und ohne Religion und Alkohol auskommt.
Für die nächsten Jahre verspricht Gantschacher interessante neue Forschungsergebnisse. "Der Kaiser von Atlantis" fußt ja auf seiner seit 19 Jahren bestehenden Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftler Ingo Schultz, die sich der Erarbeitung der Originalpartitur von Ullmanns Werk widmet.














