Die furiose Entlarvung von Stereotypen
Der "Gott des Gemetzels" ließ es bei der dritten Premiere der Komödienspiele Porcia am Samstagabend in Spittal mit Pointen- Kanonaden und Lachsalven nur so krachen.

Foto © RieblerLiegen sich mit komödiantischer Bravour in den Haaren: Reinhardt Winter, Angelica Ladurner, Oliver Baier (Foto) und Alexandra Krismer
Yasmina Rezas Stücke sind Garanten für Unterhaltung auf höchstem Niveau. Ihrem Welterfolg "Kunst" folgte der "Gott des Gemetzels", in dem die "Kunst des zivilisierten Umgangs", so ein Textzitat, auf dem Prüfstand steht. Zwei bürgerliche Ehepaare treffen sich zur Aussprache, da der Filius des einen dem Sohn des anderen mit einem Stock zwei Schneidezähne ausgeschlagen hat.
Schon die Definition des Stockes als Waffe zeigt erste Risse in der kultivierten Konversation. Ob die Aggression durch Provokation verursacht wurde? Recht schnell sind Fronten und Stellungen bezogen.
Die französische Autorin Reza spürt in "Gott des Gemetzels" nur oberflächlich den Fragen nach der Beziehung von Täter und Opfer, Schuld und Bestrafung, Sühne und Vergebung nach. Eigentlich entlarvt sie gesellschaftliche Stereotypen wie den Softie, den Macher, den Gutmenschen und legt raffiniert die Schwächen der Menschen und daraus resultierende Beziehungskrisen offen - unter den Eheleuten genauso wie zwischen den Geschlechtern.
So formieren sich immer ändernde Gegnerpaare. Mal solidarisieren sich die Männer als John-Wayne-Anhänger (und Alains Handy, lächerliches Sinnbild für den einst überzeugenden Revolver - "die Männer hängen zu sehr an ihrem Zubehör" - wird in der Blumenvase versenkt, als Ersatz finden sich Zigarren). Mal machen sich die sonst so fürsorglich gebenden Houilles über die kotzende Annette lustig (mit erstaunlicher Technik kann Alexandra Krismer auf Knopfdruck erbrechen, sodass das Publikum gänzlich ohne Ekel Zwischenapplaus spendete). Dann ziehen wieder die Reilles vereint über Michel her, weil der Angst vor Nagetieren hat (der Hamster musste "ausziehen"). Versatzstücke der zivilisierten Kultur müssen dran glauben: Kuchen zerbröselt am Boden, besagtes Handy in der Vase, Veroniques angekotzter Kunstkatalog und schließlich ein Blumenstrauß halten den zunehmend aggressiver verlaufenden Attacken nicht stand.
Furiose Gemetzel
Werner Schneyders Regie treibt die Komödie mit Tempo von einem furiosen Gemetzel zum nächsten. Die Paare Angelica Ladurner und Reinhardt Winter sowie Krismer und Oliver Baier liegen sich mit komödiantischer Bravour in den Haaren.
Lediglich anfänglich akustische Probleme, teils wohl vom Regenguss verursacht, schmälerten minimal einen tollen und mit viel Applaus bedachten Premierenerfolg.
Der Gott des Gemetzels. Weitere Termine: 25., 30. 7. sowie 5., 9., 15., 20. (17 Uhr), 22., 26., 31. August, jeweils 20.30 Uhr, Schloss Porcia/Spittal.
Karten: Tel. (047 62) 42 020.
www.komoedienspiele-porica.at














