Grenzgänger jenseits von Konventionen
Von Klassik bis Jazz: Der britische Ausnahmegeiger Nigel Kennedy (54) gab in der Finkensteiner Eventhalle ein mitreißendes Konzert, das von Bach bis zu Fats Waller führte.

Foto © KÄRNTENBLITZHatte mit seinen Musikerkollegen viel Spaß auf der Bühne: Nigel Kennedy (Zweiter. v. l.)
Bereits zum zweiten Mal gastierte Punkgeiger Nigel Kennedy heuer in Kärnten. Ende Mai begeisterte er in der Treibacher Fabrikshalle unter anderem mit seinem eigenwillig-exzentrischen Zugang zu Bach. Auch in Finkenstein eröffnete er am Freitag mit dem alten Meister und drückte dessen Musik mit großer Interpretationslust, sensibler Musikalität und hoher Fingerfertigkeit seinen Stempel auf.
Begleitet wurde sein Auftritt, der sehr zum Bedauern des Publikums aufgrund der Wetterunsicherheit in die Eventhalle verlegt worden war, von einer fast schelmischen Freude am Überschreiten aller musikalischen Genregrenzen. Von Bach leitet Kennedy mit Beethovens "Romanze F-Dur" zum zweiten Teil des Programms über - im wahrsten Sinn des Wortes: Was gefühlvoll-klassisch begann, wandelte sich im Laufe des Stückes immer mehr in jazzige Klänge. Unterstützung kam von drei hervorragenden Musikern. Gitarrist Jarek Smietana, Bassist Michal Baranski und Drummer Krzysztof Dziedzic werden von Kennedy, der launig durch den Abend führte und angeregt mit dem weiblichen Publikum flirtete, wiederholt mit Scherzen bedacht. Der Drummer etwa sei von der ukrainischen Mafia, weshalb ihn der 54-jährigen Geiger, der sich gern jenseits aller Konventionen bewegt, gern als "Krzysztof out of prison Dziedzic" vorstellte.
Frech und witzig
Jenseits der Genregrenzen ist das Quartett dann auch im zweiten Teil unterwegs: Da steht Fats Waller auf dem Programm. Der US-Jazz-Pianist hat in den 30er- und 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts geniale Lieder wie "Honeysuckle Rose" geschrieben, die Kennedy nun mit großer Lust an Jazz und Swing, einer ordentlichen Portion Frechheit und viel Witz bearbeitet hat. Dabei lässt er seinen Musikerkollegen auch Raum, ihre eigene Virtuosität zu beweisen. Gegen Ende geht es in einem Potpourri von Zigeunerklängen über ein "Bierlied" (das Kennedy selbst in einer Art Sprechgesang vortrug) bis hin zu Beethovens "Schicksalssymphonie" und Mozarts "Kleiner Nachtmusik". Das Publikum dankte mit Standing Ovations.















