Im Steinbruch der Zitate
Eine Adresse mehr für anspruchsvolles Sommertheater: Manfred Lukas-Luderer ergeht sich mit Goethes "Faust" unter freiem Himmel.

Foto © Philip KandlerAtemberaubende Kulisse: Manfred Lukas Luderer und Peter Uray, zwei "Pünktchen" im "Faust"-Universum
Drum schonet mir an diesem Tag
Prospekte nicht und nicht Maschinen./
Gebraucht das groß, und kleine Himmelslicht,/
die Sterne dürfet ihr verschwenden.
Der Direktor im "Vorspiel auf dem Theater" hat vielleicht ein Massel! Blitz und Donner ziehen am Premierenabend an Goethes "Faust" vorbei und was die weiteren Anforderungen betrifft, ist der Krastaler Steinbruch schwer zu toppen.
Wenn in der gewaltigen Naturkulisse die "Maschinen" eine in der Disco gefilmte Walpurgisnacht (Philip Kandler) an die Wand werfen und die Kapitel als Projektionen auf den Steinstufen himmelwärts wandern, dann blinzelt sogar der große Wagen herunter. Zum Himmelslicht gibt es die Lichtinstallation von Burgi Michenthaler; Gerhard Fresachers Bühnenraum lebt von geschickten Andeutungen.
Da wäre die Couch, die - später zur Betbank mit Madonna gekippt - erst als Parkbank fungiert. Zwei Männer mit Sonnenbrillen setzen sich, unschlüssig, was zu tun sei. Dann geben sich Manfred Lukas Luderer und Peter Uray, die glückhafte Faust-Mephisto-Paarung von Graz (1981), einen Ruck: Schau ma, was nach 30 Jahren noch drin ist in dieser Verhandlung über die existenziellen Fragen des Menschseins.
Schnelldurchlauf
Eine ganze Menge. Lukas-Luderer hat sich durch den Klassiker gearbeitet, als wär's ein Steinbruch. Er hat ganze Teile herausgebrochen und weggeräumt, andere als Regisseur heftig bearbeitet, wieder andere sanft abgeklopft. Bleiben trotzdem drei gute Stunden Spielzeit. Als Schauspieler trägt Lukas-Luderer eine vielschichtige Titelfigur durch seine solid ins Ambiente eingepasste Inszenierung. Im Studierzimmer wird das Terrain für die Wanderungen des Intellekts abgesteckt, den Osterspaziergang gibt es im Schnelldurchlauf, von einem gelangweilt wirkenden Faust heruntergeleiert. In der Hexenküche brodeln mehrfarbige Tränke in einer Kanne, Vermummte entsorgen Puppen in Leichensäcken.
Dass das Gretchen-Thema (die Geschenkannahme einmal beiseite gelassen) in der gesellschaftlichen Realität keinen Boden mehr hat, rückt in den Hintergrund, so überzeugend und emotional durchlüftet zeigt Katrin Hauptmann einen Menschen in ärgster (seelischer) Bedrängnis. Souverän gestaltet Peter Uray den Mephisto als Fausts zweites Gesicht, hat silberne Schuh, den Schalk im Nacken und traktiert heimtückisch den Schüler (Martin Geisler entwickelt auch als Wagner Profil). Isabella Wolf beweist einmal mehr, was sie kann (u. a. als Marthe und Hexe). Michael Weger gibt Gott mit gut geführter Stimme.
Features
Faust. Ein Treffen.
Termine: 16., 21., 22., 23., 28., 29., 30. Juli, ab 4. August, 20 Uhr. Steinbruch Lauster, Krastal. Bei Regen im EduCare Seminarzentrum Treffen.
Karten: Tel. (0 42 42) 27 3 41














