"Thank you and Goodbye"
Nach einer dramatischen Woche ist am heutigen Sonntag die letzte Ausgabe der traditionsreichen britischen Boulevardzeitung "News of the World" erschienen. Beim News-Corp-Management selbst soll jedoch alles beim Alten bleiben. "Nichts hat sich geändert", so Medienmogul Murdoch.

Foto © APA
Der zum Imperium von Rupert Murdoch gehörende Verlag News International hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass das Blatt nach 168 Jahren eingestellt wird. Zuvor waren neue Details in dem Skandal um abgehörte Handys ans Tageslicht gekommen.
Die letzte Ausgabe steht im Zeichen des Dankes an die Leserschaft. "Thank you and Goodbye" (Danke und Auf Wiedersehen) titelt das Blatt am Sonntag zum Abschied, wie die BBC und der TV-Sender Sky News am Samstagabend berichteten. Demnach heißt es weiter: "Nach 168 Jahren sagen wir unseren 7,5 Millionen loyalen Lesern ein trauriges aber stolzes Lebwohl." In einer persönlichen E-mail an die Belegschaft schrieb Chefredakteur Colin Myler, es sei ein "sehr schwieriger Tag für uns alle". "Das ist nicht die Lage, in der wir sein wollen und nicht die Lage, die wir verdienen. Aber ich weiß, dass wir eine Zeitung machen werden, auf die wir stolz sein können." Sein Stellvertreter Alan Edwards fügte hinzu: "Wir sind hier wie eine Familie und es gibt sehr wohl das Gefühl, dass wir uns alle zusammenreißen."
Der in dem Skandal stark unter Druck geratene Medienmogul Murdoch wurde am Sonntag in London erwartet. Der Australier fürchtet unter anderem um die millionenschwere Übernahme des britischen Senders BSkyB, um die er sich seit langem bemüht.
Journalisten sollen die Telefone von bis zu 4.000 Menschen angezapft haben. Neben Prominenten und Politikern sollen auch Opfer von Straftaten betroffen sein. Außerdem sollen Bestechungsgelder an die Polizei geflossen sein.
Für guten Zweck
Im Laufe der Woche hatten immer mehr Firmen ihre Anzeigen für die anstehende Ausgabe des Sonntagsblattes zurückzogen. Für die letzte Ausgabe wollte der Verlag sämtliche Anzeigenplätze kostenlos an wohltätige Organisationen vergeben. Das Internetangebot des Blattes sollte anders als zuvor für alle kostenlos sein. Die rund 200 Mitarbeiter des Unternehmens sollen noch drei Monate lang ihr Gehalt erhalten und zum Teil andere Stellen im Unternehmen angeboten bekommen.
Der Medienmogul Rupert Murdoch hat nach eigenen Angaben keine Pläne für einen Umbau des News-Corp-Managements als Folge des Abhörskandals bei der Zeitung "News of the World". "Nichts hat sich geändert", sagte Murdoch am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters auf einer Konferenz im US-Staat Idaho. Insbesondere die ehemalige Chefredakteurin des Blattes Rebekah Brooks genieße sein volles Vertrauen.














