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    Zuletzt aktualisiert: 19.06.2011 um 22:58 UhrKommentare

    Alter schützt vor Power nicht

    Herbert Grönemeyer hat mit seiner "Schiffsverkehr"-Tour in Wien angelegt. In drei Stunden spielt er alles - ein Best-of-Doppelalbum, wie es im Lehrbuch steht. Energie pur.

    Grönemeyer in Wien

    Foto © APAGrönemeyer in Wien

    Nebelschwaden hingen über dem Wiener Ernst-Happel- Stadion. Regen prasselte nieder, als der Klang eines Nebelhorns das Instrumental-Intro von "Schiffsverkehr" durchschnitt. Herbert Grönemeyers Flotte war in Wien gelandet. Die Bühne ragte hoch in den Abendhimmel, fünf bewegliche Leinwände waren wohl als Segel des Bühnen-Schiffs zu verstehen.

    Zäh war dennoch der Beginn. Die Nummern "Schiffsverkehr", "Kreuz meinen Weg" und "Fernweh" sind neu, der Text dem Publikum noch nicht so bekannt. Da lässt es sich schwer mitsingen und -tanzen. Doch dann wurde der Regen stärker, die Lieder älter, die Stimmung besser. Spätestens bei "Bochum" hatte Grönemeyer sein Publikum gefangen und ließ es nicht mehr los, beinahe drei Stunden lang.

    Zu Beginn noch im Matrosen-Look, musste das gestreifte Shirt unter dem dunklen Sakko bald einem frischen, trockenen Leibchen und Regenjacke weichen. "Gott sei Dank hab ich meine Gummistiefel dabei", scherzt Grönemeyer. Setzt sich die Kappe, die ihn vor dem Regen schützen soll, tiefer ins Gesicht und klagt über Wasserflecken am Klavier. Das Publikum, durch einige Klassiker aufgewärmt, tanzte fortan auch zu den Liedern des neuen und 13. Albums "Schiffsverkehr", die Grönemeyer beinahe zur Gänze zum Besten gab.

    Alter

    Vor 20 Jahren trat der Bochumer mit der markanten Stimme das erste Mal in Wien auf. Und er wird wiederkommen, das ist wohl sicher. Vom "ultimativen Vergnügen" sprach Grönemeyer immer wieder. Die Reaktion des Publikums bei Nummern wie "Mensch", "Alkohol" oder "Männer" lässt gut nachempfinden, was er meint. Und sie ist gerechtfertigt. Liedern, die jeder kennt, so viel Druck und Energie zu verleihen, dass sie immer wieder einzigartig erscheinen, das ist schon ein starkes Stück.

    Nach zwei Stunden auf hoher See ist Grönemeyer fertig. Vorerst. Elf Zugaben sollten folgen. Von "Land unter" über "Zeit, dass sich was dreht" bis zu "Flugzeuge im Bauch" - alles ist dabei. "Und das in seinem Alter", schüttelt eine Besucherin den Kopf. Grönemeyer ist 55.

    Dass das Happel-Stadion vor allem bei sportlichen Ereignissen oft vorzeitig verlassen wird, ist bekannt (und auch verständlich). Dass dann nach der siebten Zugabe auch bei Grönemeyer Abwanderungstendenzen einsetzten, hatte wohl weniger mit der Qualität des Abends als mit dessen Länge und vor allem Nässe zu tun - Schiffverkehr, sozusagen.

    CLEMENS TICAR

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