Absolut kein Zufallstreffer
Der Architekturpreis des Landes 2010 geht an ein unkonventionelles Bauernhaus von Weichlbauer/Ortis in Laufnitzdorf bei Frohnleiten.

Foto © Peter EderDas ausgezeichnete Bauernhaus in Laufnitzdorf. "Freestyle Planing" nennen Weichlbauer/Ortis ihren Prozess des Entwerfens
Küche, Speisezimmer und Wohnzimmer auf einer Ebene, Schlaf- und Kinderzimmer im Stockwerk darüber: Soweit das Raumprogramm, das sich die junge Bauernfamilie aus Laufnitzdorf für ihr neues Domizil wünschte. Das Architekten-Duo Reinhold Weichlbauer und Albert Ortis aus Frohnleiten hat diese Wünsche klaglos erfüllt - und noch so einiges draufgesetzt: Betontreppen, die nicht nur als Treppen, sondern auch als Vordach und Sichtschutz dienen. Eine Hülle aus Kunstrasen.
"Ein bizarres Gebäude, das wer mit zu viel Geld in die Landschaft gesetzt hat", dachte Alleinjuror Hubertus Adam auf den ersten Blick. Und erkannte bald: "Das ist überhaupt nicht der Fall!" Der Reiz des Bauernhauses, das relativ kostengünstig realisiert wurde, besteht in dem Nebeneinander von Konvention und Experiment. Erfreulich sei der unideologische Gestus, mit dem das geschehe, lobt der Architekturkritiker und Museumsleiter aus Zürich. "Diese Architektur vermeidet jegliche Naivität", so Adam.
Formfinder
Weichlbauer/Ortis, die durch experimentelle Projekte wie ihre "WohnDNA" in Gratkorn (2001) für Aufsehen sorgten, hinterfragen gerne gängige architektonische Formfindungsprozesse und arbeiten mit Zufallskomponenten. Auch das Raumprogramm des Bauernhauses wurde mit Datensätzen früherer Projekte "zufällig angereichert". Der bestimmende Gedanke, Elemente von ihrer Funktion zu befreien und auf unkonventionelle Weise einzusetzen, halft auch beim Geldsparen: Die Fenster etwa dienen quergelegt auch als Brüstung.
Neben dem mit 8.000 Euro dotierten Landesarchitekturpreis vergab Adam drei undotierte Auszeichnungen: für den Murturm von terrain:loenhart&mayr in Gosdorf, die Generalsanierung des Hörsaalgebäudes der Montanuniversität Leoben durch Gangoly & Kristiner und das Grazer Mumuth von UNStudio. Für den Juror "einer der wichtigsten Kulturbauten weltweit".
Die Ausstellung im Haus der Architektur zeigt Schwarz-Weiß-Fotografien (Hertha Hurnaus) der ausgezeichneten Projekte und sechs nominierter Bauten. Der Katalog beinhaltet eine lesenswerte Reise Adams durch das Architekturland Steiermark und ebenfalls SW-Fotos. Ein ästhetisches Panorama qualitativen zeitgenössischen Bauens in der Grünen Mark. Wie sinnvoll eine reine Schwarz-Weiß-Präsentation ist, darüber lässt sich streiten.
Features
Fotoserie
Der Preis
Alle zwei Jahre wird auf Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung der Architekturpreis des Landes Steiermark vergeben. Für "beispielgebende Leistungen" gibt es ein Preisgeld in der Höhe von 8.000 Euro - ungeteilt für einen Preisträger. Über den Preisträger entscheidet ein auf Vorschlag des Hauses der Architektur vom Land Steiermark bestellter, nicht in Österreich ansässiger Kurator.















