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Zuletzt aktualisiert: 30.05.2011 um 22:23 UhrKommentare

Der Herr einer Mega-Medien-Familie

Gegen Ende der VÖZ-Tagung gewährte RTL-Group-General Gerhard Zeiler einen Einblick in Gegenwart und Zukunft des Fernsehens. Seine eigene blieb dabei aber völlig ausgespart.

Foto © APA

Die Liste der Referenten war prominent und üppig. Aber der mit der meisten Spannung erwartete Redner kam erst gestern am vorletzten Tag: Gerhard Zeiler, Vorstandsvorsitzender der RTL Group und damit Medienmanager in der Global-Liga beehrte die Jahreshauptversammlung des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) im Salzburger St. Michael.

Das besondere Interesse an Zeiler, der bereits von 1994 bis 1998 Generalintendant des ORF war, galt der Frage, ob er im August womöglich gegen den amtierenden General Alexander Wrabetz noch einmal in den Ring steigen könnte. SP-Mitglied Wrabetz ist bekanntlich der offizielle Wunschkandidat von Kanzler Faymann und Co.

Der sozialdemokratisch geprägte Zeiler wird indes von der ÖVP umschnurrt. Klubobmann Karlheinz Kopf sagte in St. Michael zur Kleinen Zeitung: "Gerade wir als wirtschaftsorientierte Partei können doch nicht Nein sagen, wenn einer der erfolgreichsten Medienmanager für die Leitung des ORF zur Verfügung stünde". Derzeit erlebe man im ORF den Niedergang des öffentlich-rechtlichen Gedankens, sagte Kopf.

Verzerrung

VÖZ-Präsident Hans Gasser kritisierte in diesem Zusammenhang die permanente Wettbewerbsverzerrung durch den ORF, der zum einen Gebühren einstreiche und sich zum anderen wie ein Privatsender verhalte.

Gerhard Zeiler hatte in den letzten Wochen keine Gelegenheit ausgelassen, mehr oder minder diskret seine Chancen in der Heimat zu sondieren. Auch aus privaten Gründen: Seine derzeitige Lebensgefährtin lebt in Österreich, Wien war ihm auch stets lieber als Luxemburg und finanziell dürfte sich Zeiler fürs restliche Leben gepolstert haben.

Termin

Er war in Wien mit Grünen-Chefin Eva Glawischnig gesehen worden, unterhält regelmäßige Kontakte zu diversen SP-Landeshauptleuten und bewegt sich auffallend oft auf dem gesellschaftlichen Parkett.

Dennoch war ihm dazu gestern im Lungau nichts zu entlocken. Zur Kleinen Zeitung sagte Zeiler: "Ich habe mir einen Termin vorgenommen, an dem ich meine diesbezügliche Entscheidung kundtun werde."

Er hielt sich an sein Thema, "Die Zukunft des Fernsehens". Und die sieht Zeiler relativ klar umrissen. Nebst beeindruckenden Zahlen aus der RTL-Group, die nicht veröffentlicht werden dürfen, präzisierte Zeiler einige Megatrends:

Vernetzung: Das Fernsehen mit Zukunft muss auf allen Plattformen also auch mobilen Geräten funktionieren. Umgekehrt schätzt er, dass in fünf Jahren mehr als 80 Prozent aller stationären TV-Geräte internetfähig sein werden.

Fragmentierung. Der britische Bezahlsender Sky bietet allein in England rund 700 Spartenprogramme. In Ungarn gibt es derzeit 93 Privatsender in ungarischer Sprache.

Senderfamilie: Einzelsender hält Gerhard Zeiler nicht für überlebensfähig. Das ideale Modell sei eine starke Dachmarke mit etlichen Töchtern. In extremo führt das die RTL-Group vor. Dem gleichnamigen Marktführer RTL sind zahlreiche kleinere Kanäle wie VOX, n-tv, RTL2 etc. zugeordnet. Derzeit sind 41 Fernsehkanäle und 34 Radiosender in zehn Ländern unter dem RTL-Dach versammelt.

Orientierung: Der Kunde muss in die Marke Vertrauen haben und sie im Trubel des Gesamtangebotes als Orientierungshilfe für seine Erwartungen nutzen können.

Diversifizierung des Angebots: TV-Sender sollen selbst produzieren und verkaufen, Merchandising, Spiele, Teleshopping, Events sind weitere Teile des Portfolios.

Der Fürst des Kommerzfernsehens bekennt sich aber auch leidenschaftlich zum dualen System: Nur öffentlich mitfinanzierte Sender könnten Inhalte anbieten, die sich für Private niemals rechnen würden. Als wesentlichste Kriterien für öffentlich-rechtliche Sender sieht Zeiler Glaubwürdigkeit, finanzielle Ausstattung, Massenattraktivität und nationale Identitätsstiftung.

Wie Letztere aussehen könnte, belegte er am Beispiel BBC: Demnach seien 95 Prozent aller Briten bereit, dafür zu zahlen, dass es die nationale Anstalt und ihre Programme gibt. 56 Prozent würden sogar erhöhte Gebühren akzeptieren, wenn der Erhalt der BBC davon abhinge. - Den ORF sollte man im Moment dahin gehend wohl lieber nicht abfragen.

FRIDO HÜTTER

Zur Person

Gerhard Zeiler: geboren am 20. Juli 1965 in Wien.

Stationen: ORF-Generalintendant ORF (1994-1998), RTL-Geschäftsführer (1998-2004), CEO der RTL Group (seit 2003).

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