Verstörende Ausstellung über Kolonialismus in Wien
Was man sieht, sind Aufnahmen von verstörten Menschen. Menschen, die zu Gesichtsabdrücken gezwungen werden, deren Stimmen für ein "Rassenarchiv" aufgenommen werden und deren persönlichster Lebensbereich aufs Gröbste verletzt wird. Die Ausstellung "Was wir sehen. Stimmen, Bilder, Repräsentation" beschäftigt sich ab Dienstag im Wiener Museum für Völkerkunde mit der Zeit des Kolonialismus in Namibia.
Mittels Bilder und Fotos sowie aktuellen Interviews mit Nachfahren der Menschen zeichnet die von Anette Hoffmann kuratierte Schau ein vielseitiges Bild der unter dem Deckmantel von wissenschaftlicher Forschung angefertigten, anthropometrischen Sammlung des deutschen Abenteurers Hans Lichtenecker und zeigt eine persönliche Seite der Menschen. In der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika erstellte Lichtenecker 1931 Tonaufnahmen der Bevölkerung, fertigte Kopfabdrücke an und vermass ihre Körper; die Menschen selbst interessierten ihn nicht.
Über Lichtenecker wüsste sie nur die "nötigsten Eckdaten", erklärte Hoffmann. "Er unterscheidet sich nicht großartig von seinen Vorgängern und Nachfolgern." Viel wichtiger war für sie, die porträtierten Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, die Tonaufnahmen und damit ihre Erfahrungen nachvollziehbar zu machen und somit die andere Seite dieser sogenannten wissenschaftlichen Sammlung zu zeigen und Kritik daran zu üben. Die Wachswalzen Lichteneckers entdeckte sie im Berliner Phonogramm-Archiv, ließ sie digitalisieren und übersetzen.
In der Schau kann man sich nun die originalen Tonaufnahmen per Kopfhörer anhören, die transkribierten Texten (in den Sprachen Khoekhoegowab und Otjiherero sowie deutscher Übersetzung) geben einen Eindruck von der Situation für die Betroffenen. Lichtenecker verstand die Leute nicht, gab ihnen auch keine Vorgaben, was eine Freiheit für die Sprecher ermöglichte, die sie zur Schilderung der Geschehnisse sowie kritischen Anmerkungen und teils poetischen Vorträgen nutzen. Ein Kommentar lautet etwa "Wir werden wieder missbraucht, wir befinden uns wieder in der Konservendose".














