Gratwanderungen mit Seil und Pinsel
"Berglust" zwischen Markus Pernhart und der Kunstsportgruppe Hochobir: Die Turmgalerie in Gmünd zeigt noch bis Oktober klassische Alpenmalerei aus drei Jahrhunderten.

Foto © KK"Triglav" von Markus Pernhart (1824-1871)
Seit 20 Jahren versucht die Kulturinitiative Gmünd, Kunst ins Gebirge zu bringen. Jetzt haben wir die Berge erstmals selbst in den Mittelpunkt gerückt", erläutert Geschäftsführerin Erika Schuster das Konzept der bislang aufwendigsten Schau ihrer Galerie.
Es sind vor allem Gipfel der näheren Umgebung, der Hohen Tauern, aber auch von anderen teilen Kärntens, die in rund 100 Bildern von 20 Leihgebern vor Augen geführt werden. Dabei hielt sich die "Berglust" der Künstler lange Zeit in Grenzen. "Berge waren für die Menschen in erster Linie Furcht einflößend. Erst die im 18. Jahrhundert aufkommende Erforschung der Alpen förderte deren naturgetreue Darstellung in der Kunst", erinnert Schuster an die späten Anfänge der Alpenmalerei.
In Österreich war der von Erzherzog Johann protegierte Thomas Ender (1793-1875) einer der ersten dieses Metiers. Im Stadtturm von Gmünd, mit seinen fünf liftlosen Geschoßen eine alpinistische Herausforderung für sich, ist der gebürtige Wiener ebenso vertreten wie Lokalmatador Markus Pernhart mit seinen berühmten Glockner-Gemälden. Schöne Ansichten vom "König der Hochalpen" hinterließen aber auch Eduard Manhart oder der Jugendstilmaler Otto Barth.
Ein ganzes Turmgeschoß füllen die Bilder des wohl bedeutendsten Bergsteiger-Malers: Edward Theodore Compton. Dem gebürtigen Briten gelangen nicht nur 27 Erstbegehungen, sondern auch wunderbare Porträts vom Millstätter See, vom Montasch oder der Stadt Gmünd. Neben ihrer luftigen Heiterkeit bestechen die Aquarelle des Wahlbayern vor allem durch topografische Genauigkeit. Die in manchen Bildern eingezeichneten Gehrouten sollten Bergsteigerkollegen als Orientierungshilfe dienen.
Der alpine Bilderbogen umfasst auch spätere Künstler wie Willibald Zunk, Anton Mahringer oder Werner Berg, dessen "Ebersprung" eine lustvoll-animalische Interpretation des Ausstellungstitels darstellt. Zeitgenössische Annäherungen an das Thema liefern Herbert Brandl, Harald Scheicher oder die Kunstsportgruppe Hochobir.
Ergänzt wird die Schau von einer filmischen Rarität aus dem Jahr 1938. Der kurz nach dem "Anschluss" entstandene Streifen dokumentiert die Ersteigung der Hochalmspitze durch Mitglieder der Osnabrücker Alpenvereinssektion und weist zugleich auf die Gratwanderung hin, die Künstler in politisch heroischen Zeiten meistern mussten, auch wenn es nur um die Darstellung von einsamen Gipfeln ging.
"Berglust" im Stadtturm Gmünd; bis 2. Oktober 2011; tägl. von 10 bis 13 Uhr und 14.30 Uhr bis 18 Uhr.















