"Desdemona" bei Wiener Festwochen

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Vor zwei Jahren hat US-Regisseur Peter Sellars bei den Wiener Festwochen Shakespeares "Othello" inszeniert - heuer stand die emanzipatorische Fortsetzung auf dem Programm. Am Sonntag ließen die Schriftstellerin Toni Morrison, die Musikerin Rokia Traore, die Schauspielerin Elizabeth Marvel und Regisseur Sellars im Theater Akzent mit "Desdemona" die Frau Othellos aus dem Jenseits zu Wort kommen.
Toni Morrison hat sich mit Romanen wie "Sehr blaue Augen" oder "Menschenkind" den Status der Grande Dame der postkolonialen, feministischen Literatur erschrieben - und selbst bei einem so typischen "Dead white male" wie William Shakespeare ist die US-Autorin fündig geworden. Denn Desdemona heiratet nicht nur den schwarzen Soldaten Othello, sie erwähnt auch eine afrikanische Kinderfrau namens Barbary (was freilich nichts anderes ist als eine abschätziges Bezeichnung Afrikas), die ihr das Lied von der Weide gesungen hatte. Mit ihr tritt Desdemona nun post mortem in einen Frauen-Dialog der Geschichten und der Musik.
Elizabeth Marvel ist Desdemona, aber bisweilen ist sie (mit eindrucksvoll verstellter Stimme) auch Othello oder Emilia. Sie berichtet von ihrem Großwerden im engen venezianischen Adelshaus, von Othello, dem einstigen Kindersoldaten, hinter dessen offene Brutalität sie zu blicken vermeinte, rechtfertigt wieder und wieder ihre Liebe, die sie in den Tod gestürzt hat. Sie spricht auch mit Barbary - verkörpert von Rokia Traore, die zu Morrisons Text die Musik beigesteuert hat.
Morrisons Text ist bissig und anklagend, vor allem aber voller Ironie. Desdemona, die unterdrückte Frau? Die große Liebende? Die rassistisch Verblendete? Sicher kann man nicht sein. Klar ist, die Geschichte der Sklaverei, des Krieges und der weiblichen Unterdrückung steckt irgendwo zwischen Shakespeares Zeilen. Insgesamt: Ein schöner Weg, mit Shakespeare ins Gericht zu gehen.















