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Zuletzt aktualisiert: 16.04.2011 um 20:39 UhrKommentare

Von Seifenblasen und Selbstdarstellung

Zwei Litaneien zum politischen Teufelskreis in Kärnten: Der Wieser-Verlag nennt den schmalen Band mit Breitseiten von Josef Winkler "das passende Stück zur Auferstehung".

Seit der Klagenfurter Rede 2009 steht neben dem Literaten Josef Winkler der politische Kopf Josef Winkler. Was ihm sauer aufstieß an den Kärntner Zuständen, schrieb er auch in der Kleinen Zeitung. Auf die Frage, ob ihn sein neuer Status als "Gewissen" als Autor unter Druck setze, antwortete Josef Winkler:

"Jetzt sage ich erstmals, wie es überhaupt zur Eröffnungsrede beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2009 gekommen ist. Wenige Monate, nachdem ich den Büchner-Preis erhalten habe, ist ein Anruf vom ORF-Studio-Kärnten gekommen und man hat mich gefragt, ob ich bereit wäre zu einem Mittagessen mit ORF-Direktor Haslitzer und Erika Napetschnig von der Kulturabteilung des Landes Kärnten zu kommen. Ich habe zugesagt, meine Frau habe ich zum Gespräch mitgenommen. Man hat mich gefragt, was man, da ich jetzt ein bekannter Schriftsteller bin, für mich noch tun könne. Ich habe gesagt: "Gar nichts, es läuft alles, die Aufmerksamkeit ist groß." Dann habe ich noch gesagt: "Wenn man mich fragen würde, ob ich die Eröffnungsrede zum heurigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb halten möchte, würde ich nicht Nein sagen". Das war meine wörtliche Formulierung.

Da meine Eröffnungsrede in mehrere Sprachen übersetzt wurde, musste ich meinen Text ungefähr zehn Tage vorher abliefern. Kurz vor der Rede, im Schminkraum des ORF, traf ich auch den Intendanten Haslitzer. Er hatte Tränen in den Augen. Im ORF-Studio-Kärnten war man entsetzt über meine Rede, im ORF-Wien und bei 3 Sat hat man sich gefreut. Die Moderatorin des Bachmann-Bewerbes, Clarissa Stadler, sagte, als sie mich im Schminkraum sah: "Ich gratuliere Ihnen jetzt schon . . .!" Ein paar Wochen später, im Strandbad, sagte Herr Haslitzer zu mir: "Das war eine Selbstdarstellung und Werbung in eigener Sache!" Ich habe höflich und diplomatisch geschwiegen. Aber ich schweige nicht immer!

Natürlich setzt mich das auch unter Druck. Immer wieder werde ich von bekannten und mir völlig unbekannten Leuten dazu ermuntert, weiterhin Stellung zu nehmen zur aktuellen Kärntner Politik. Was ja ab und zu geschieht. Ich sage aber, dass ich auch noch ein anderes Schreibleben habe und diese Art von Stellungnahmen sehr anstrengend ist. Auf der Straße höre ich, in den Zeitungen lese ich, dass ich unter den Künstlern der einzige bin, der etwas sagt. Das sehe ich inzwischen sogar selber so, und das macht mich traurig. Ich kenne genug Intellektuelle, die auch formulieren können, die aber nur an der Theke bei Bier und Wein ein großes Maul haben, und sich offenbar nicht getrauen. Vielleicht ist ihnen aber auch alles egal: Dann frage ich mich, warum sie sich überhaupt darüber beklagen. Ich nenne sie die "Seifenblasen-Intellektuellen", sie schillern besonders an der Theke mit glänzenden Augen.

Als Jörg Haider tödlich verunglückte, hat man auch mich gefragt, was ich dazu sage. Ich habe öffentlich gesagt, dass es mir leidtut, weil er auf diese Art und Weise gestorben ist. Daraufhin wurde ich von einigen Seifenblasen-Intellektuellen, die sich selber für die größten Antifaschisten des Landes halten, als "Haiderjunge" bezeichnet. Dann habe ich denen ins Gesicht gesagt, dass wir in unserer westlichen Demokratie keine sich überschlagenden Autos und abstürzende Flugzeuge mit Politikern brauchen. Demagogen sollen mit allen im Rechtsstaat zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft werden, mit menschlichen, juristischen, parlamentarischen. Das stärkt eine Demokratie, und sonst gar nichts. Habe ich also gesagt. Danach hatte ich Ruhe."

Bei derartig vielen Reaktionen und Ermunterungen - wieso geht Josef Winkler nicht in die Politik?

"Ich glaube, dass ich kein politisches Talent habe, ich bin ungeduldig und nicht immer zu Kompromissen bereit. Ich würde die Intrigen und Hinterhältigkeiten nicht aushalten. Außerdem möchte ich nie in meinem Leben ein Bierfass anstechen," sagt er.

Wie er mit Bedrohungen umgeht und ob heiliger Zorn etwas bewegt - darauf antwortet der Autor in den nächsten Tagen.


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