Das jugendliche Draufgängertum des 87-Jährigen
Sir Neville Marriner dirigierte die Camerata.
Obwohl er am Freitag seinen 87. Geburtstag feiern wird, versprüht Sir Neville Marriner noch immer feuriges musikalisches Temperament. Am Pult der Camerata Salzburg, deren schlanken, sehnigen Klang die Naturtrompeten entscheidend mitbestimmen, präsentierte er sich im Stefaniensaal nicht als Vertreter einer altersweisen Gelassenheit, sondern als energisch zupackender, zu forschen und konsequent durchgehaltenen Tempi neigender Gestalter.
Vor allem den jugendlichen Geniestreich des 25-jährigen Mozart, dessen Ballett-Chaconne aus dem "Idomeneo", stattete er mit stürmischem Elan und kantigen Konturen aus.
Fiel auch der Gewittersturm durchaus bedrohlich aus, so prägte die Wiedergabe von Ludwig van Beethovens "Pastorale" doch jene sauber ausgearbeitete, aber etwas unverbindliche Glätte, die stets das Spiel der 1959 von Marriner gegründeten und mit unzähligen Plattenaufnahmen zu Weltruhm geführten Academy of St. Martin-in-the-Fields bestimmt hat.
Zwischen den beiden Wiener Klassikern präsentierte der 1985 geadelte Brite mit Luigi Cherubini einen einst in ganz Europa gefeierten, heute aber nur noch selten aufgeführten Komponisten. Dass er bei Cherubinis D-Dur-Symphonie von 1815 fast alle Wiederholungen ausließ, untermauerte aber den Verdacht, dass Sir Neville nicht so ganz an diese Partitur glaubt.















