Ein letzter Tag für seine Fans
Rund 5000 Menschen aus mehreren Ländern nahmen auf dem Zentralfriedhof in Wien Abschied vom großen Entertainer Peter Alexander. Das Begräbnis im engsten Kreis findet dieser Tage in Grinzing statt.

Foto © ReutersBundeskanzler Faymann verabschiedet sich.
Bitterkalt und stockdunkel ist's, als Michael Kraft um fünf Uhr in der Früh seinen Klappstuhl vor dem zu diesem Zeitpunkt noch fest versperrten Tor 2 des Wiener Zentralfriedhofs in Stellung bringt. "Ich war die Nacht über unterwegs, ich komme aus Frankfurt." Und dann erzählt der "unverbesserliche Fan" von Peter Alexander, dass er eine ersteigerte Goldene Schallplatte seines "großen Idols seit Kindertagen" sein Eigen nennt und im Wohnzimmer hängen hat. "An einem Ehrenplatz." Michael Kraft ist 26 Jahre alt.
Drei Stunden später. Die von Michael Kraft aus Frankfurt angeführte Schlange trauernder Menschen - von erstaunlich jung bis sehr alt - wächst und wächst.
Viele halten Rosen in Händen, einige haben Fotoalben unter den Arm geklemmt und zeigen voll Stolz die Autogrammkarten oder Schnappschüsse, auf denen sie mit "Alexander dem Großen" zu sehen sind. Sie kommen aus allen Teilen des Landes, viele auch aus Deutschland, einige aus Polen, der Slowakei, und selbst aus der Schweiz und Italien sind manche extra für diesen Anlass angereist.
Die letzten Grüße
Im Freien und in zwei blauen, an den Seiten offenen Zelten sind die zu diesem Zeitpunkt noch geschlossenen Kondolenzbücher aufgelegt. Vier an der Zahl. Dann, um 8.30 Uhr, dürfen Fotografen, Fernsehteams und Journalisten in die Halle, in der erhöht der Sarg liegt. Helles Holz, goldene Beschläge. Im Hintergrund hängt ein großformatiges Porträt des am Samstag vor einer Woche im Alter von 84 Jahren verstorbenen Showstars an der Wand, rund um den Sarg zählt man zwölf Kränze. Letzte Grüße. Einer von Bundespräsident Heinz Fischer, der im Ausland weilt, einer von Bundeskanzler Werner Faymann, einer von Bürgermeister Michael Häupl, einer von Claudia Schmied, der Kulturministerin. Damit hat es sich aber schon mit den Kränzen aus der Politik, die meist ohne persönliche Worte auskommen.
Mit "Servus, Freund", verabschiedet sich dafür Udo Jürgens von seinem Branchenkollegen, und "Danke im Namen der Tiere" liest man auf dem Kranz von "Gut Aiderbichl". Dem hatte Peter Alexander vor einiger Zeit seine komplette Plattensammlung vermacht, die in weiterer Folge zugunsten der Tiere versteigert werden sollte. Ein weiterer Kranz kommt vom Komponisten und Musikproduzenten Ralph Siegl, einer von Alexanders ehemaliger und erster Plattenfirma Ariola.
Es geht gegen neun. Kurz bevor das Volk eingelassen wird, kommt der Bürgermeister. Mit ihm der Kulturstadtrat, Andreas Mailath-Pokorny. "Er war ein ganz großer Wiener", sagt Häupl und stellt sich vor den Sarg. Exakt 13 Sekunden lang. Ein paar Fotografen fluchen leise.
Für Häupl und Mailath liegt ein Kondolenzbuch in der Halle auf, für den Kanzler gut eine halbe Stunde später schon nicht mehr. Der trägt sich, nachdem er an der Schlange vorbeigeschleust wird, draußen ein und drängt sich in weiterer Folge nicht abermals vor, als es hinein in die stille Halle geht. Dort hält er kurz inne, verneigt sich vor dem Sarg und bekommt beim Hinausgehen wie alle anderen auch das Billett mit den zwei Fotos und dem Text "Peter Alexander - Sag beim Abschied leise Servus" in die Hand gedrückt.
In den kommenden Stunden finden weitere Prominente den Weg auf den Zentralfriedhof. Waltraut Haas etwa, einst die "Chefin" von "Kellner Leopold" Peter Alexander im "Weißen Rössl", ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und ORF-Urgestein Peter Rapp. Auch Harald Serafin, der Chef von Mörbisch, hatte sein Kommen angesagt.
Der letzte Wille
Es war allerdings nicht der letzte Wille des Peter Alexander, öffentlich aufgebahrt zu werden. Im Gegenteil. Auch wollte er kein Ehrengrab der Stadt. Er wollte, und diesem Wunsch wird selbstverständlich nachgekommen, in das Familiengrab nach Grinzing zu seiner 2003 verstorbenen Frau Hilde und zu Tochter Susanne, zu Tode gekommen 2009 bei einem Autounfall. Die öffentliche Aufbahrung war letzten Endes ein Kompromiss, den Alexanders Hinterbliebene, allen voran Sohn Michael, eingingen, nachdem das Grab in Grinzing in den Tagen nach dem Ableben regelrecht zu einer Pilgerstätte geworden war.
Wann Alexander dort zu Grabe getragen wird, ist streng geheim. Und so ganz in seinem Sinne.















