"No Problem Orchestra" vor dem Aus
Der Konflikt zwischen Orchestergründer und Soziallandesrat in Kärnten eskaliert: Politiker strich Subventionen, Musiker- Leiter muss Tourbus und Ausrüstung verkaufen und beschimpft seine Gegner heftigst.

Foto © www.noproblem-orchestra.atDas "No Problem Orchestra"
Viele Jahre war das No Problem Orchestra ein weltweites Aushängeschild gelungener Integration. Geschult an Instrumenten, die sein Leiter Josef Schörkmayr erfunden hatte, spielte die Band aus Menschen mit Behinderung vor gekrönten Häuptern und gewählten Präsidenten, vor dem Papst, Michael Douglas oder im Bayern-München-Stadion. Auch dass die Musiker heuer bei den Hochzeiten von Prinz William/Kate Middleton und Fürst Albert/Charlene Wittstock spielen sollten, hat kaum jemanden verwundert.
Doch jetzt stehen die "No Problems" vor gewaltigen Problemen. Im Mai 2010 hatte FPK-Landesrat Christian Ragger die Förderung des Orchesters "wegen Verdachts auf Förderungsmissbrauch" eingestellt. Schörkmayr soll Subventionen nicht angegeben haben, die er für seine Arbeit in der Steiermark erhalten hatte.
Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, aber die Schlacht war eröffnet. Im August 2010 stellte der Musiktherapeut den Betrieb in Kärnten ein. Daher müsse die Band in Zukunft ohne die Kärntner Musiker auftreten. Etwas später wiederholte Ragger seine Vorwürfe in der Hauptstory einer vierseitigen bezahlten Werbebeilage. Woraufhin er von Schörkmayr wegen Amtsmissbrauch, Rufmord, und Verhöhnung Behinderter angezeigt wurde. Außerdem müssten Instrumente und Tourbus verkauft werden. Schörkmayrs Haus mit Therapie- und Aufenthaltsräumen werde versteigert.
Gestern landete Ragger einen Volltreffer. Sein Büro veröffentlichte E-Mails von Schörkmayr - voller Beleidigungen, sexueller Beschimpfungen und Verfluchungen. Wer sie liest, zweifelt an der Verfassung des Autors.
Psychiatrie-Primar Thomas Platz hat das Orchester jahrelang wissenschaftlich begleitet - und sieht das etwas gelassener: "Herr Schörkmayr ist tief gekränkt, weil er weltweit Reputation eingefahren und sich persönlich und finanziell sehr stark engagiert hat. Er glaubt, es seien unlautere Mittel verwendet worden, um Inserate gegen ihn zu schalten und nimmt sich dagegen die Unlauterkeit zu obszönen Beschimpfungen heraus." Das sei nachvollziehbar, aber nicht zu entschuldigen. JOCHEN BENDELE














