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Zuletzt aktualisiert: 27.01.2011 um 21:06 UhrKommentare

Die Kunst von Strich und Punkt

Roy Lichtenstein ist eine zentrale Gestalt der amerikanischen Pop Art, damit der Weltkunst. In Wien sind nun die Anfänge seiner Erfolgsgeschichte zu studieren.

Die Werke von Roy Lichtenberg kann man in Wien bestaunen

Foto © APDie Werke von Roy Lichtenberg kann man in Wien bestaunen

In einer Vitrine ist das einfache Handwerkszeug ausgebreitet, mit dem in den 1960er-Jahren Ikonen der Weltkunst geschaffen wurden. Im Wesentlichen ein Flo-Master-Filzstift von Esterbrook, eine Paragon-Zeichenmaschine von Keuffel & Esser, ein Benday-Punktraster. Damit porträtierte Roy Lichtenstein, neben Andy Warhol, Claes Oldenburg und James Rosenquist ein Miterfinder der Pop Art, Micky Maus und Donald Duck, aber auch Golfbälle, gebratene Truthühner, gebackene Erdäpfel, Hotdogs, ein Piano, eine Couch.

Letztere fand der gebürtige und passionierte New Yorker in einer Zeitungsanzeige. "So furchtbar" habe sie ausgesehen, "so schematisch und teilnahmslos" habe sie gewirkt: "Da musste ich einfach zeichnen!" In den 1970er-Jahren hat Lichtenstein das Möbel mehrfach gemalt. Im Bild "Artist's Studio" findet es sich gleichsam als reales Objekt in einem Raum voll Lichtenstein-Werken. Darunter "Look Mickey", ein Schlüsselbild in der Karriere des Künstlers.

"Look Mickey" war eines der Gemälde, die der zuvor wenig erfolgreiche Grafiker und Maler (einige Jahre hatte er als Kunstlehrer gearbeitet) 1961 in die Galerie von Leo Castelli brachte.

Vermarktung

Damit kam er Andy Warhol zuvor, der ebenfalls die Bilderwelt der Comics als Motivfundus entdeckt hatte. Castelli, dessen Vermarktungsgeschick die Pop-Künstler viel zu verdanken haben, verkaufte Lichtensteins Versionen populärer Vorlagen mit großem Erfolg.

Die Ausstellung in der Albertina, Koproduktion mit The Morgan Library & Museum New York, konzentriert sich auf Arbeiten Lichtensteins aus den 1960er-Jahren. Speziell auf das zeichnerische ?uvre, in dem Schwarz und Weiß dominieren, die Farbe aber keine unwesentliche Rolle spielt, weshalb der Ausstellungstitel "Black & White" die Sache nicht ganz trifft.

"Is He the Worst Artist in the U. S.?" lautete die Frage von Life Magazine im Jänner 1964. Im Artikel wird dann sogar die Meinung vertreten, Lichtenstein sei nicht der schlechteste Künstler des Landes, er sei überhaupt kein Künstler.

Abstraktion

Im Rückblick ist das Kopfschütteln mancher Kritiker zwar nachvollziehbar, die Zeit gibt ihnen freilich nicht recht. Das Konvolut der knapp 80 Werke, die in dieser erhellenden Konstellation erstmals zu sehen sind, wirkt absolut frisch und verströmt keinerlei nostalgisches Hautgout.

Immer wieder wird klar, dass Lichtensteins Interesse nicht in erster Linie den Inhalten galt, sondern den formalen Strukturen. Den Strichen, Linien und Punkten, einer abstrakten Ebene also. Nicht nur bei minimalistischen Arbeiten wie "Like New", "Steak", "Ball of Twine" oder der berühmten Serie der "Brushstrokes".

Roy Lichtenstein. Bis 15. Mai. Albertina Wien. www.albertina.at

WALTER TITZ

Fakten

Roy Lichtenstein, geboren 1923 in New York; frühes Interesse für Musik und Malerei; Kunststudium; Kunstlehrer; 1957 Lithografie "Ten Dollar Bill"; 1960 Durchbruch mit dem Gemälde "Look Mickey"; 1997 Tod in New York.

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