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Zuletzt aktualisiert: 01.01.2011 um 14:11 UhrKommentare

Welser-Möst zähmte Neujahrskonzert

Mit musikalischen Grüßen nach Ungarn und Spanien sowie einer Huldigung des Jahresregenten Franz Liszt begangen die Wiener Philharmoniker am Samstag das traditionelle Neujahrskonzert im Wiener Musikverein.

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Quelle © APA Neujahrskonzert mit Debüt von Franz Welser-Möst

Franz Welser-Möst hat das Neujahrskonzert gezähmt. Der Mann, der vom oberösterreichischen Linz aus eine Weltkarriere gestartet hatte, erreichte am Samstag die Krönung vieler Dirigentenlaufbahnen und hieß gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins das Jahr 2011 musikalisch willkommen. Dabei provozierte der neue Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper eher Walzer zum Nachdenken und Polka zum Besinnen als orgiastischen Freudentaumel. Die Hommagen an Ungarn, Spanien und Franz Liszt erreichten via Liveübertragung mehr als 70 Länder und sorgten für stehende Ovationen.

"Ich neige nicht dazu, ein großes Zirkuspferd zu sein", hatte Welser-Möst in einer treffenden Selbstanalyse Tage vor dem Ereignis sein Publikum gewarnt , nicht ohne doch noch eine Einlage in Aussicht zu stellen. Der Musterschüler unter den Dirigenten wurde gleich konzeptionistisch, spannte den Bogen zur eigenen Familie und führte im ersten Teil des Konzerts vornehmlich Stücke auf, die im Cafe Dommayer uraufgeführt wurden. Welser-Mösts Urgroßmutter war Teil der Besitzerdynastie des Cafes, dem Schauplatz der ersten Auftritte des Walzerkönigs.

Huldigungen

Mit Stücken aus der zu ihrer Entstehungszeit gescheiterten Operette "Simplicius" von Johann Strauß begann Debütant Welser-Möst den Reigen der Selbstreferenzen. Er hatte das Werk schon zur Schweizer Erstaufführung gebracht, Titel wie der "Reitermarsch", "Muthig voran!" und "Donauweibchen" - des Dirigenten liebster Strauß-Walzer - steigerten die Erwartung in das, was noch kommen sollte. Mit feinem Strich, zu Beginn streckenweise jedoch etwas hölzern, erklangen die "Amazonen-Polka" und die "Debut-Quadrille" desselben Schöpfers sowie Joseph Lanners Walzer "Die Schönbrunner".

Nach einem eher lehrreichen ersten Teil folgte die Serie der bei diesem Ereignis üblichen Huldigungen: Ungarn, das mit demselben Tag den EU-Vorsitz übernahm, wurde der Csardas aus der Komischen Oper "Ritter Pasman" von Strauß Sohn gewidmet. Auch hier eher Milde als Schärfe. Was wiederum zum Jahresregenten Franz Liszt - er wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden - führte, bei dessen "Ersten Mephisto-Walzer" Welser-Möst seine Meisterschaft der musikalischen Andacht erstmals ausspielen konnte. Darauf vorbereitet wurde man mit dem Walzer "Abschiedsrufe" (von Strauß jr. für Liszt) sowie dem Furioso-Galopp nach Liszts Motiven von Strauß Vater.

Es folgte ein Ausflug auf die iberische Halbinsel mit dem "Spanischen Marsch" von Strauß Sohn, dem "Zigeunertanz" von Joseph Hellmesberger und dem "Cachucha-Galopp" von Strauß Vater. Und auch hier wurden die Flammen zumindest so gezügelt, dass sie nichts unabsichtlich in Brand setzen konnten. Kein Wunder, dass sich Welser-Möst bei den nachdenklicheren Stücken von Johanns Bruder Joseph hörbar wohler fühlte. Bei "Aus der Ferne" teilten Komponist und vielgereister Dirigent Heimwehgefühle. Den Konzertreisen der Philharmoniker wiederum war zuvor der Pausenfilm gewidmet. Tragisches Detail: Kontrabassist Georg Straka war 2010 im Zuge einer solchen bei einer Wanderung auf den japanischen Berg den Fuji tödlich verunglückt.

Melancholisches Schwelgen

Der Walzer-Schlager "Mein Lebenslauf ist Lieb' und Lust" von Joseph Strauß beendete den regulären Teil des Konzerts. Und beim Zugabenteil kam das Zirkuspferd dann doch noch angetrabt. Mit einer Signalkelle gab Welser-Möst grünes Licht für die Polka "Ohne Aufenthalt" von Eduard Strauß, die zuvor Horn und Glocke eingeläutet hatten.

Das melancholische Schwelgen von "An der schönen blauen Donau" schien dem Maestro aber schon wieder eher maßgeschneidert. Die Bilder dazu und zu weiteren Stücken kamen unter anderem aus dem verschneiten Schloss Laudon. Das Wiener Staatsballett mit den Solisten Maria Yakovleva und Eno Peci tanzte erstmals zu einer Choreographie von Jean-Guillaume Bart, Danseur Etoile der Pariser Oper.

Nach so viel Kopfarbeit kam die traditionsgemäße Einladung des Dirigenten an das Publikum beim "Radetzky-Marsch", sich ebenso taktvoll zu verhalten, zur rechten Zeit - Welser-Möst genoss es mit einladender Geste und bübischem Grinsen. Die stehenden Ovationen und der Jubel für einen Tagesauftakt mit "Linz-Walzer" waren dann selbstverständlich. Unter den Beifallspendern befanden sich unter anderem Bundespräsident Heinz Fischer und sein Gast, der Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Khalifa al-Thani sowie dessen Frau Mozah Bint Nasser al-Missned. Und auch wenn es nicht das akustisch üppigste Neujahrskonzert in seiner Geschichte war, geschadet hat die neu entdeckte Askese nach so viel üppigen Jahren wohl niemandem.


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