Welser-Möst debütierte bei Neujahrskonzert

Foto © APA
Franz Welser-Möst hat das Neujahrskonzert gezähmt. Der Mann, der von Linz aus eine Weltkarriere gestartet hatte, erreichte am Samstag die Krönung vieler Dirigentenlaufbahnen und hieß mit den Wiener Philharmonikern im Wiener Musikverein das Jahr 2011 musikalisch willkommen. Die Hommagen an Ungarn, Spanien und Franz Liszt erreichten mehr als 70 Länder und sorgten für stehende Ovationen.
Der neue Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper provozierte eher Walzer zum Nachdenken und Polka zum Besinnen als orgiastischen Freudentaumel. "Ich neige nicht dazu, ein großes Zirkuspferd zu sein", hatte Welser-Möst vor dem Ereignis sein Publikum gewarnt.
Mit Stücken aus der Operette "Simplicius" von Johann Strauß begann Debütant Welser-Möst den Reigen. Titel wie der "Reitermarsch", "Muthig voran!" und "Donauweibchen" - des Dirigenten liebster Strauß-Walzer - steigerten die Erwartung in das, was noch kommen sollte. Mit feinem Strich erklangen die "Amazonen-Polka" und die "Debut-Quadrille" desselben Schöpfers sowie Joseph Lanners Walzer "Die Schönbrunner".
Nach einem eher lehrreichen ersten Teil folgte die Serie der bei diesem Ereignis üblichen Huldigungen: Ungarn, das mit demselben Tag den EU-Vorsitz übernahm, wurde der Csardas aus der Komischen Oper "Ritter Pasman" von Strauß Sohn gewidmet. Auch hier eher Milde als Schärfe. Was wiederum zum Jahresregenten Franz Liszt - er wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden - führte, bei dessen "Ersten Mephisto-Walzer" Welser-Möst seine Meisterschaft der musikalischen Andacht erstmals ausspielen konnte.
Es folgte ein Ausflug auf die iberische Halbinsel mit dem "Spanischen Marsch" von Strauß Sohn, dem "Zigeunertanz" von Joseph Hellmesberger und dem "Cachucha-Galopp" von Strauß Vater. Der Walzer-Schlager "Mein Lebenslauf ist Lieb' und Lust" von Joseph Strauß beendete den regulären Teil des Konzerts. Und beim Zugabenteil kam das Zirkuspferd dann doch noch angetrabt. Mit einer Signalkelle gab Welser-Möst grünes Licht für die Polka "Ohne Aufenthalt" von Eduard Strauß.
Das melancholische Schwelgen von "An der schönen blauen Donau" schien dem Maestro aber schon wieder eher maßgeschneidert. Zum Schluss erfolgte traditionsgemäß der "Radetzky-Marsch". Die stehenden Ovationen und der Jubel waren dann selbstverständlich. Unter den Beifallspendern befanden sich unter anderem Bundespräsident Heinz Fischer und sein Gast, der Emir von Katar.













