Lähmende Unverbindlichkeit: "Don Giovanni" in der Staatsoper
Die Glückssträhne der neuen Direktion der Wiener Staatsoper reißt bei einem Herzstück des Repertoires: Der "Don Giovanni" von Mozart misslingt.

Foto © APIldebrando D'Arcangelo in der Rolle des Don Giovanni
Nur unverbindlich arrangiert, aber nicht ernsthaft inszeniert, durchschnittlich besetzt und auch nicht überwältigend musiziert, beschert die Premiere des "Don Giovanni" Ernüchterung. Dieser Auftakt zu einem neuen Zyklus der drei Meisterwerke Mozarts nach Libretti von Lorenzo da Ponte an der Wiener Staatsoper weckt eher Befürchtungen als Hoffnungen.
Nur eine geringe Verbesserung
Natürlich war es notwendig, die "Don Giovanni"-Inszenierung von Roberto de Simone, eine banale Kostümrevue quer durch die Jahrhunderte, auszutauschen. Aber die Version des Staatsoperndebütanten Jean-Louis Martinoty, der alle drei Werke inszenieren soll, bedeutet nur eine geringe Verbesserung. Der Franzose holt sich zwar bei Tirso de Molina, dem ersten Autor eines Don Juan-Dramas (1619), Rat, wie die von Lorenzo da Ponte offen gelassenen Fragen zu lösen sind und weiß jede Bühnenaktion logisch und plausibel zu motivieren. Aber er wächst über die Rolle eines versierten Produktionsdramaturgen nicht hinaus, versagt als Regisseur, weil er sich mit unverbindlichen Arrangements begnügt, seine Personenführung keiner Figur Profil verleiht. Und da auch noch das Bühnenbild von Hans Schavernoch, der diesmal mit vielen Fotos arbeitet, trotz häufiger Zwischenvorhänge immer wieder Umbaupausen erzwingt, lähmt die Szene den Abend.
Dramatische Wucht
Nachhaltig beleben kann ihn auch nicht Franz Welser-Möst, der sich von seinen 2006 in Zürich angeschlagenen Extremtempi verabschiedet. Mit dem Orchester der Wiener Staatsoper setzt dessen Generalmusikdirektor auf ein Musizieren im natürlichen Fluss, das seine stärksten Momente in den Passagen mit dramatischer Wucht oder kammermusikalischer Delikatesse hat, dazwischen aber durchhängt und nur abschnurrt.
Ildebrando d'Arcangelo besitzt alle Voraussetzungen, um als Titelheld mit herrischem und doch verführerischen Bassbariton die Nachfolge eines Cesare Siepi und George London anzutreten, bleibt aber zu sehr sich selbst überlassen. Alex Esposito ist ein sehr agiler, stimmlich leichtgewichtiger Leporello, dem Heldenbariton Albert Dohmen fehlt die Bassesschwärze für den Komtur. Saimir Pirgu ragt als feuriger Don Ottavio aus dem Mittelmaß heraus, Adam Plachetka gibt dem Masetto Format.
Die lispelnde Sally Matthews scheitert an den dramatischen Passagen der Donna Anna, Roxana Constantinescu ist mit der Bewältigung des Parts der Elvira zu sehr beschäftigt, um ihn gestalten zu können, Sylvia Schwartz vereint als Zerlina Sinnlichkeit und Koketterie.
Features
Fakten
"Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart.
Aufführungen in der Wiener Staatsoper: 14., 17. (18.30 Uhr), 20. (18.30 Uhr), 23. und 27. Dezember, 19 bis 22.30 Uhr.
Ausverkauft.
















