Mönche, Militärs und Marionetten
Auch nach der Freilassung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sind die Burmesen nur Marionetten der Militärs. Ein beklemmender Lokalaugenschein.
Alle wissen, wo Aung San Suu Kyi im Yangoner Stadtteil Hlay lebt, kaum jemand traut sich aber vors Haus der erst kürzlich nach siebeneinhalb Jahren Hausarrest freigelassenen Friedensnobelpreisträgerin. Die Taxifahrer, die sich normalerweise um Urlauber raufen, lehnen jede Fahrt in die Nähe des Anwesens der "Symbolfigur für den weltweiten Kampf für die Verwirklichung der Menschenrechte" (O-Ton von Kanzlerin Merkel) kategorisch ab.
Ein Zusatzhonorar hilft auch nicht weiter, der Taxler bleibt unnachgiebig. "Das hat böse Konsequenzen", fürchtet U Nyang.
Sympathiewelle
Das bekannte Privatrefugium der 65-jährigen Oppositionsführerin, die von den Militärs 15 der letzten 21 Jahre von ihren Sympathisanten weggesperrt wurde, soll permanent überwacht und jeder einzelne ihrer Besucher heimlich registriert werden. "Ich will meinen Job behalten. Ich brauche das Geld, um meine Familie halbwegs ernähren zu können", argumentiert der Chauffeur. Höflich, aber bestimmt versucht U Nyang jegliche politische Diskussion zu unterbinden. "Wir sind ja hier ohnehin nur Marionetten."
Doch dort, wo die aparte, jugendlich frisch aussehende Mittsechzigerin auftaucht, fliegen ihr die Herzen der Menschen zu. Als Aung San Suu Kyi dieser Tage ihren im Ausland wohnenden Sohn zum Flughafen brachte, wurde sie um Autogramme und Fotos bestürmt. Sie lächelte, sprach mit jedem ein paar Worte und versprühte Hoffnung: "Mir geht es ausgezeichnet. Aber noch ist sehr viel zu tun in unserem Land."
Der Taxler hielt sich auch am Airport zurück, er wollte keinesfalls auffallen. Das Militär ist immer und überall, aber kaum ausmachbar, der Geheimdienst funktioniert perfekt.
"Neues Licht von Myanmar" ("The new light of Myanmar") nennt sich eine regierungstreue Tageszeitung, die unentwegt Jubel-Propaganda unters Volk streut. Die freien Medien tragen dagegen Handschellen. Erst letzte Woche traf sieben unabhängige Tageszeitungen der Bannstrahl des Zensurkomitees, weil sie auf ihren Titelseiten Berichte über Aung San Suu Kyi veröffentlichten.
Eine Schale Reis
Die Burmesen ertragen ihr Schicksal mit erstaunlicher Gelassenheit. Buddha gibt ihnen Halt. Zumindest zweimal müssen sie das enthaltsame Leben eines Mönchs zelebriert haben.
Zu Tausenden flanieren sie dann an den Vormittagen durch die Städte und sammeln an Essbarem, was sie geschenkt bekommen. Mahlzeiten gibt es nur bis Mittag, meist nicht mehr als ein Schälchen Reis, Wasser und Tee. Im Kampf ums tägliche Überleben verkommt die Politik zur unwichtigen Nebensache. Die diktatorischen Regeln der Militärjunta gelten weniger als Buddhas Weisheiten, von denen eine heißt: "Der Tod ist doch nur die Erlösung von den Leiden des Lebens."















