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    Zuletzt aktualisiert: 10.12.2010 um 22:48 UhrKommentare

    Begegnung im schlangenlosen Paradies

    Seit mehr als zwanzig Jahren lebt Peter Handke in einem kleinen Vorort von Paris. Die Kleine Zeitung besuchte den Schriftsteller und traf ihn zum Interview. Ein Gespräch über das Alter, das Alleinsein, das Schöne und das Heimweh.

    "Ich verspüre Dankbarkeit: dass ich halbwegs noch die Augen öffnen kann und die Stimme erheben kann und schauen kann und hören kann, gehen kann vor allem

    Foto © Wolfgang Zajc"Ich verspüre Dankbarkeit: dass ich halbwegs noch die Augen öffnen kann und die Stimme erheben kann und schauen kann und hören kann, gehen kann vor allem

    Am Tag, bevor der Schnee nach Paris kam, war er noch mit dem Taschenmesser im Wald. Es ist sein Geh-Wald. Er beginnt gleich hinter seinem Haus im Pariser Vorort Chaville und führt hinaus nach Versailles. Kaum ein Fremder steigt hier aus dem Zug, die meisten zieht es zum nahen Schloss und den Königen.

    Aus dem Laub hat Peter Handke Herbstschwammerln freigelegt, so nennt er sie. Jetzt steht er in der Küche und rührt die frischen mit getrocknete Pilzen unter die Pasta. Den Fotografen bittet er, Scheiben vom spanischen Schinken zu schneiden, und lobt ihn für das Geschick. Auf dem mächtigen Esstisch liegen parallel angeordnete Stifte, eine Bienenwachskerze brennt. Ringsum türmen sich auf den Kelim-Böden und den Stufen die Bücher wie krumme, unförmige Heiligenstatuen. Es sind kleine statische Wunder. Nichts in dieser ästhetischen Unordnung wirkt zufällig. An den Wänden Kinderzeichnungen, auch Schwarz-Weiß-Fotos; auf einem ist Handke mit seiner Mutter zu erkennen, sie, die am Leben zerbrach. In Handkes neuem Buch "Immer noch Sturm" führt sie der Sohn aus dem Totenreich und erweckt sie im Schreiben zum Leben.

    Brahms ist zu hören, aber man sieht kein Hi-Fi-Gerät. Er würde wohl stören. No electronic devices, nur ein altes, schwarzes Faxgerät steht im Flur. Später legt der gut gelaunte Gastgeber Johnny Cash auf und kommt noch einmal aus der Küche: Weißwein, Sancerre, dazu eine heiße Pfanne mit angebratenen Erdäpfeln, gerösteten Haselnüssen und Kastanien. Seine freundliche Fürsorge, die schon bei der Begrüßung spürbar war, als Handke wiederholt gemahnt hatte, achtzugeben, der Schnee sei glatt und gefährlich. Auch jetzt: "Hier, das Salz, und hier, das Olivenöl, für die Kartoffeln, vielleicht."

    Es ist ein schönes, altes Haus, erbaut um die Jahrhundertwende. Hochgeschossene Bäume und vergitterte Tore schirmen das Kleinod ab. Privé!, nicht alle achten das Gebot. Eine kleine Allee, die sich hoch droben zu einem grünen Viadukt schließt, trennt das Dichterhaus von der nahen Straße, die Innenwelt von der Außenwelt. Im Garten ragen die Apfelbäume nah an das Haus heran, Handke hat viele selbst gepflanzt. Die Sorten benennt er kundig wie die Pilze, ein Mann der Agrikultur. Sie ist Erbe. Schon sein slawischer Onkel Gregor war Obstbauer. Die Leser kennen ihn. Einige der geernteten Äpfel hat Handke am Rande der Eingangsstufen, neben den bänderlosen, angeschneiten Gartenschuhen zurückgelassen. Keine Sorglosigkeit, sondern Zeichen. "Sie müssen wissen, das hier ist mein kleines, schlangenloses Paradies".

    HUBERT PATTERER, STEFAN WINKLER

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