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Zuletzt aktualisiert: 09.12.2010 um 14:56 UhrKommentare

"Mozart muss wieder einen stärkeren Stellenwert haben"

Am Samstag feiert "Don Giovanni" unter der Regie von Jean-Louis Martinoty Premiere. Mit der Mozart-Oper startet der dreiteilige Da-Ponte-Zyklus an der Wiener Staatsoper.

Alex Esposito als Leporello

Foto © APAlex Esposito als Leporello

"Mozart muss wieder einen stärkeren Stellenwert haben an diesem Haus", sagt Franz Welser-Möst, Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper. Am Samstag (11.12.) beginnt er, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Welser-Möst dirigiert "Don Giovanni", die dritte szenische Neuproduktion der Direktion von Dominique Meyer, die gleichzeitig den Auftakt zu einem Zyklus der Da-Ponte-Opern bildet. Regisseur aller drei Opern ist der Franzose Jean-Louis Martinoty.

Martinoty, 1986 bis 1989 Generalintendant der Pariser Oper, debütiert mit dieser Inszenierung an der Wiener Staatsoper. Der einstige Latein- und Griechischlehrer, der später vom Kulturjournalismus ins Regiefach und ins Opernmanagement wechselte, hat sich zur Vorbereitung seiner Inszenierung, die auf einer Mischung der Prager und der Wiener Fassung des 1787 uraufgeführten "Don Giovanni" aufbauen wird, ausgiebig mit anderen Versionen des berühmten Stoffes rund um den gewissenlosen und kriminellen Frauenhelden befasst.

Dadurch werde auch für die Handlung der Mozart-Oper manches klarer, so Martinoty in der "Bühne": "Da Ponte hat manchmal stark konzentriert und ein paar Informationen gestrichen. Mit Hilfe von Tirso de Molina und der Version von Giuseppe Gazzaniga kann man verstehen, was bei Da Ponte tatsächlich unklar bleibt. Ich möchte daher endlich einen 'Don Giovanni' inszenieren, der alle diese Probleme löst." Eine starke Ansage, bedenkt man auch, dass die populäre Oper seit sie 1869 erstmals im Haus am Ring zu hören war, bisher immerhin 704 Mal hier zu erleben war.

"Er könnte ein Weltklasse-Don-Giovanni werden"

Der 41-jährige italienische Bassbariton Ildebrando D'Arcangelo singt die Titelpartie, der albanische Jungstar Saimir Pirgu den Don Ottavio, Alex Esposito den Leporello und Ensemblemitglied Adam Plachetka den Masetto. "Er könnte ein Weltklasse-Don-Giovanni werden", schwärmt Welser-Möst, der in den kommenden Jahren wieder ein echtes Mozartensemble am Haus aufbauen möchte. Auch Sylvia Schwartz (Zerlina) könne sich zur echten Stütze entwickeln, meint der Generalmusikdirektor. Als Donna Anna ist Hausdebütantin Sally Matthews zu hören, Roxana Constantinescu singt die Donna Elvira.

Er werde bei seinem "Don Giovanni"-Dirigat nicht versuchen, "das Rad neu zu erfinden", sagt Welser-Möst im APA-Interview: "Ich versuche, mich der Substanz zu nähern - und das ist wesentlich schwieriger, als das Rad neu zu erfinden." Der Dirigent sieht einen starken inneren Zusammenhang der Da-Ponte-Opern: "Das sind ja ganz weise, zutiefst philosophische Stücke. Ich persönlich versuche, mich diesem philosophischen Kern dieser Stücke zu nähern. Im 'Figaro' versucht Mozart zu zeigen, dass Standesunterschiede etwas Künstliches sind und zur Menschlichkeit vorzudringen. In 'Don Giovanni' geht es um die Entdeckung des Ichs. Und in der 'Cosi fan tutte' geht es darum, wie diese verschiedenen Ichs miteinander umgehen. Für mich ganz persönlich ist 'Cosi' das weiseste Stück Kunst, das jemals über die menschliche Natur geschrieben worden ist - und das interessiert mich einfach."

Zunächst wird (ab 19. Jänner) an der Staatsoper allerdings auf die 16 Jahre alte "Cosi"-Inszenierung von Roberto de Simone zurückgegriffen (Dirigent: Jeremie Rhorer), ehe in zwei Jahren das Duo Martinoty und Welser-Möst eine Neuproduktion betreuen wird. Und auch "Le nozze di Figaro" (ab 16. Februar) ist szenisch keine Novität: Jean-Louis Martinoty inszenierte die Oper 2003 an dem damals von Dominique Meyer geleiteten Pariser Theatre des Champs-Elysees. Die Produktion wurde in Frankreich mit einem Kritikerpreis als beste Opernproduktion des Jahres ausgezeichnet und - unter der musikalischen Leitung von Rene Jacobs - auch als CD und DVD herausgebracht. In Wien wird Franz Welser-Möst das Dirigat übernehmen.


"Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart

Inszenierung: Jean-Louis Martinoty
Dirigent: Franz Welser-Möst
Ausstattung: Hans Schavernoch
Kostüme: Yan Tax
Mit: Ildebrando D'Arcangelo (Don Giovanni), Sally Matthews (Donna Anna), Saimir Pirgu (Don Ottavio), Roxana Constantinescu (Donna Elvira), Alex Esposito (Leporello), Albert Dohmen (Il Commendatore), Adam Plachetka (Masetto), Sylvia Schwartz (Zerlina)
Termine: Premiere am 11. Dezember, 19 Uhr, 14., 17., 20., 23., 27. Dezember
Web: http://www.staatsoper.at

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