Landesbaupreis: Fünffache Anerkennung
Nach einem mageren Jahr mit einem herausragenden Sieger erlebte der Landesbaupreis heuer ein fettes Jahr mit fünf gleichwertigen Preisträgern.

Foto © WeichselbraunExpertenlob für das Klinikum Klagenfurt
Nur elf Projekte ritterten 2009 um den Kärntner Landesbaupreis. Einsamer Sieger wurde damals das Liaunig-Museum. Heuer - ein untrügliches Zeichen des Aufschwungs - waren es gleich vier Mal so viele. Das überraschende Ergebnis: Anstelle eines Landesbaupreises sprach die Jury fünf Anerkennungen aus, die am Dienstag im Klagenfurter Napoleonstadel, der selbst den Würdigungspreis für Architektur erhielt, verliehen wurden.
Die Ex aequo-Vergabe sei weniger einem Mangel zuzuschreiben, als vielmehr einer qualitativen Fülle, begründete Architekt Gernot Kulterer die Entscheidung der Jury: "Es kamen fünf exzellente Projekte in die engere Wahl. Nach längerer Diskussion wurde letztlich festgestellt, dass keines gegenüber den anderen bevorzugt werden soll". Jedenfalls habe man fünf Bauten ausgezeichnet, "die eine breite Palette von Baukultur repräsentieren".
Am deren einem Ende steht das Klinikum Klagenfurt, das zumindest in baulicher Hinsicht alle Voraussetzungen für ein Spitzenkrankenhaus erfüllt (siehe Begründung links). Am anderen Ende trifft man auf ein "Embedded House" (Holodeck architects), das "sich fast unsichtbar" in einen grünen Abhang bei Villach schmiegt.
Im Falle des neuen Maria Gailer Altenheims stellten sich Planer und Jury die Frage: Wie macht man die umgebende Landschaft für Bewohner erlebbar, die oft ihr Bett nicht mehr verlassen können? Wie gelingt es, in einem so großen Haus eine familiäre Atmosphäre entstehen zu lassen? Für Dietger Wissounigs Antwort auf diese Fragen gab es einen Anerkennungspreis, ebenso wie für das Projekt "brücke zur welt - lend/spiel" (murero_bresciano architekten/Hanno Kautz), das den Klagenfurter Lendhafen "nachhaltig für kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten" beleben konnte.
Gewürdigt wurde auch das aus einem Wettbewerb hervorgegangene Schulzentrum Kühnsdorf (Winkler + Ruck Architekten). Dieses besteche "durch seine intelligente Gesamtlösung und die sehr durchdachten Einzelmaßnahmen" und besitzt für die Jury das Potenzial, "sich zu einem regional relevanten, Bildungs- und Kulturzentrum zu entwickeln."
Zu den Verlierern des diesjährigen Landesbaupreises zählen so prestigereiche Projekte wie die CMA in Ossiach, das Lindner Hotel in Klagenfurt, die "Blumenhalle" in St. Veit, die ÖAMTC Landeszentrale oder das "Römerbad" in Bad Kleinkirchheim.
Features
Auszug aus dem Juryprotokoll
Schon beim EU-weiten Wettbewerb überzeugte das Projekt auch in der 2. Stufe durch seine Gliederung der Baumaße in eine mit Wegen verbundene Kammstruktur und die dadurch gelungene Eingliederung in die Umgebung. Das Einteilen der Erschließung in einen "Weg der Patienten" und einen "Weg der Besucher" versucht die Funktionen kurz und übersichtlich zu verbinden und zoniert diese gekonnt.
Die Orientierung für den Benutzer wäre dabei aber sicherlich noch zu optimieren. Die durch die Struktur entstandenen Innenhöfe sind grundsätzlich eine räumliche Bereicherung, laden aber durch ihren hohen Grad an Gestaltung wenig zum Verweilen ein und bleiben so größtenteils leider nur überdimensionale "Schauvitrinen". Die Materialien wurden klinikgerecht eingesetzt und vermitteln einen hohen Grad an reduzierter Ästhetik. All jenes ist lobenswert, weil bei Großprojekten nicht selbstverständlich!














