Revolution in Sicht?
Die Medienrevolution wird Chefsache: Rupert Murdoch und Steve Jobs bereiten eine neue Tageszeitung vor, die nur auf Tablets wie dem iPad erscheint. Damit soll ein Millionenpublikum wie im Internet erreicht werden - mit den Zahlungsgewohnheiten der Print-Leser.

Foto © spiegel.deNachrichtenmagazin "Der Spiegel", iPad-Ausgabe: Ersatz oder Zusatz?
Rupert Murdoch ist achtzig. Das iPad noch nicht einmal eins. Trotzdem passen die beiden zusammen. Der Medien-Mogul sieht sich seit Jahren als maßgeblicher Gestalter des medialen Übergangs in die digitale Welt. Murdoch und sein Unternehmen News Corp waren es auch, die die Online-Ausgaben der Print-Flagschiffe "Times" und "Wall Street Journal" kostenpflichtig machten. Immerhin 100.000 Leser bezahlten seither für das Online-Abo. 50.000 davon jedoch nur ein Mal. Erfolg sieht anders aus. "Bezahlte Online-Inhalte sind keine Lösung" tönte es aus der Medienbranche. "Tablets und Smartphones sind die profitable Zukunft“, sagte etwa Springer-Chef Mathias Döpfner selbstbewusst und etwas schadenfroh.
Murdoch gibt jedoch nicht auf. Fest entschlossen, die Zeitungsbranche zu revolutionieren und als erster den Weg zu gesicherten Profiten in der Online-Welt zu finden, bricht er wieder zu neuen Ufern auf. Er hat das iPad im Visier, das er schon vor dem Start als "Game Changer" bezeichnete. Steve Jobs, Apple-Chef, iPad-Vater und medialer Visionär ähnlichen Schlages, hilft Murdoch persönlich, wenn man der Gerüchteküche glauben will. Die Schadenfreude der Konkurrenz ist derweil verflogen. Alles hält die Luft an. Wenn Murdoch und Jobs dieses Mal Erfolg haben, könnte die mediale Revolution in Gang geraten. Wer dann nicht vorbereitet ist und schnell reagiert, bleibt auf der Strecke.
Apple, Profite und Shooting-Stars
In der "Werkstatt" im 26. Stockwerk der New Yorker Zentrale von Murdochs Medienimperium kennt man keine Geldsorgen. Etwa 30 Millionen Dollar soll Murdoch in die iPad-Zeitung investiert haben, die "The Daily" heißen wird. 99 Cent pro Woche will man ab Anfang nächsten Jahres verlangen, damit ist die iPad-Zeitung günstiger als jede Konkurrenz – Print wie Online. Damit der Traum vom Profit aufgeht, müssen die Leserzahlen in die Millionen gehen. Hier kommt Apple ins Spiel: Da das iPad auf absehbare Zeit Marktführer am Tablet-Markt bleiben wird (man rechnet bis 2013 mit 40 Millionen verkauften Geräten), hat das Bündnis durchaus Potenzial, zudem auch schon an einer Version für Android-Tablets gebastelt werden soll. Steve Jobs versprach indirekt schon zum iPad-Start einen eigenen Zeitungs-Store, blieb diesen jedoch bislang schuldig. Nun scheint ein neuer Durchmarsch von Apple möglich, ähnlich dem Erfolg von iTunes.
Wie weit Apple wirklich in das Projekt involviert ist, bleibt wie so oft unklar. Murdoch sprach im hauseigenen TV-Sender Fox zwar vom "spannendsten Projekt der letzten Zeit“ und versprach einen Kurs zwischen Boulevard- und Qualitäts-Journalismus, doch die Rolle von Apple wurde bislang von beiden Seiten nicht kommentiert. Wahrscheinlich ist, das Jobs einige seiner besten Leute für die Bereiche Vertrieb und Design zur Verfügung gestellt hat und die neue Zeitung bevorzugt behandeln wird – schließlich geht es auch um die eigenen Gewinne. Die Redakteure der "Daily" sind alles andere als Unbekannte: Die Kultur-Kritikerin Sasha Frere-Jones des "New Yorker" ist ebenso an Bord wie der als Chefredaktuer gehandelte Shooting-Star Jesse Angelo von der "New York Post" und zahlreiche erfolgreiche Online-Journalisten.
Branche am Scheideweg
Jüngste Studien und Ergebnisse machen deutlich, dass Leser durchaus bereit sind, für redaktionelle Apps und Abonnements zu bezahlen. Allerdings gehe das stärker zu Lasten der eigenen Printprodukte als bisher angenommen, wie James Murdoch, Sohn von Rupert und Chef eines Subunternehmens von News Corp, unlängst bei einem Kongress in Asien bestätigte: "Apps kannibalisieren die gedruckte Zeitung viel mehr als die Website. Die Menschen interagieren etwa mit einem Tablet-Abo wie mit einer Print-Zeitung". Das Tablet wird zum bezahlten Medium, das Web bleibt beim Leser eine Art Zusatz-Angebot. Ist ein iPad-Abo also ein Ersatz für die Zeitung und nicht der erhoffte Nebenverdienst?
Die Medienwelt wird den Atem ob dieser Frage noch etwas länger anhalten müssen. "Daily" könnte zur Blaupause für alle zukünftigen Modelle werden. Durch das Vorpreschen von Murdoch kommt die Konkurrenz jedoch zunehmend unter Druck und reagiert mit gemischten Gefühlen. Einerseits scheint man dankbar zu sein, dass New Corp das Risiko eingeht und die Möglichkeiten des neuen Marktes auslotet. Doch wenn "Daily" Erfolg hat, muss es schnell gehen – ähnlich dem Online-Markt gehen Experten auch beim Tablet-Markt davon aus, dass nur die Ersten auch wirklich Erfolg haben. In der schieren Flut von Angeboten, Apps und Abos fallen Neuankömmlinge irgendwann einfach nicht mehr auf. Doch selbst ein Mediengigant wie News Corp braucht Monate, um die Revolution in Gang zu bringen. An "Daily" wird bereits seit Mai gearbeitet.
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Wiki
Die News Corporation (abgekürzt News Corp) ist eines der weltgrößten Medienkonglomerate. Der Vorstandsvorsitzende und Gründer ist Rupert Murdoch.
Der Hauptsitz der News Corporation befindet sich im Komplex des Rockefeller Center an der Avenue of the Americas (6th Avenue) in New York City.
Der Gewinn im am 30. Juni 2008 beendeten Geschäftsjahr belief sich auf 5,4 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 32,996 Milliarden Dollar.
News-Corp: Eine Auswahl
- The Sun (UK)
- News of the World (UK)
- The Times (UK)
- Wall Street Journal (USA)
- New York Post (USA)
- New Yorker (USA)
- Boston Herald (USA)
- 20th Century Fox (USA, Film-Studio)
- Fox News (USA, Nachrichten-Sender)
- The Herald Sun (AUS)
















