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    Zuletzt aktualisiert: 21.11.2010 um 06:00 UhrKommentare

    Ein bunter Hund in einem dunklen Viertel

    Stephan Bruckmeier, in Kärnten für den Carinthischen Sommer und das Musikschulwerk tätig, hat in Nairobi das "Hope Theatre" gegründet.

    Der Regisseur Stephan Bruckmeier mit den Schauspielschülern

    Foto © HEIKE SCHILLERDer Regisseur Stephan Bruckmeier mit den Schauspielschülern

    Vor fünf Jahren arbeitete er erstmals in Afrika: An Henning Mankells Teatro Avenida in Maputo (Mozambique) inszenierte Stephan Bruckmeier Schillers "Räuber" und wurde damit unter anderem zu den internationalen Schillertagen am Nationaltheater Mannheim eingeladen. Mittlerweile hat er selbst ein Theater in Afrika gegründet: Der gebürtige Wiener, der hierzulande unter anderem für den Carinthischen Sommer ("Das Martyrium des Hl. Magnus") und das Kärntner Musikschulwerk ("Simon Kramer") inszenierte, hat im Frühjahr 2009 mit Jugendlichen in den Slums von Nairobi gearbeitet: "Peter Quendler hat mir vom Projekt ,Hands of Care and Hope' erzählt, das unter anderem von der Kärntner Caritas unterstützt wird", so Bruckmeier.

    Hoffnungsträger

    Die Südtiroler Franziskanerschwester Lydia Pardeller hat in den Slums rund um die große Müllhalde vier Schulen aufgebaut, in denen knapp tausend Kinder unterrichtet und verpflegt werden. Bruckmeier hat im Vorjahr in sechs Wochen mit 300 Schülern zwischen zehn und 14 Jahren eine adaptierte Fassung von "Romeo und Julia" für die Bühne des neu errichteten Jugendzentrums gebracht: "Ich war ohne konkrete Vorstellungen und auf eigene Kosten nach Kenia geflogen. Nach knapp einer Woche wurde mir bewusst, dass ich entweder sofort zurückfliegen oder eine längerfristige Aufgabe übernehmen muss", erinnert sich Bruckmeier, der daraufhin das "Hope Theatre" gründete.

    25 Jugendlichen wird dort derzeit eine Schauspielausbildung ermöglicht: "Die Filmwirtschaft boomt in Kenia und es gibt viel zu wenig Schauspieler", weiß Bruckmeier, der in den Slums von Nairobi mittlerweile bekannt ist wie ein "bunter Hund": "Jeder hier weiß, was ich mache."

    Und demnächst werden Bruckmeier und sein "Hope Theatre" wohl noch bekannter: Am 16. Dezember findet das erste "Slumtheater-Festival" im Nationaltheater statt, bei dem sich Theatergruppen - darunter das international renommierte "Slum-TV", das bereits beim Wiener Donau-Festival gastierte - präsentieren.

    Kärntner Assistentin

    Das "Hope Theatre" wird selbst geschriebene Stücke rund um die Themen Vergewaltigung und Korruption zeigen: "In Afrika gibt es eine Art sozialkritisches politisches Volkstheater, die Themen sind vor allem das Leben auf der Straße, Armut, Drogen, Verhütung etc.", erzählt Bruckmeier, der bereits europäische Kollegen und Jugendliche für Projekte in Nairobi begeisterte. Wie etwa die Villacher Schülerin Lisa Sallay, die im Sommer einen Monat lang als "eine Art Regieassistentin" (Sallay) in den Slums von Korogocho verbrachte.

    Die 17-Jährige war fasziniert von der Ernsthaftigkeit, mit der die Jugendlichen ihre Schul- und Theaterausbildung betreiben: "Die sind nur wenig älter als ich, aber die wissen, dass man sich anstrengen muss, um etwas zu erreichen", so Sallay.

    Auch die andere Seite lernte sie in den Slums kennen: Während einer Busfahrt griff ein Dieb in das Fahrzeug und riss ihr die Kette vom Hals. "Ein paar Regeln muss man einfach befolgen", hat sie gelernt. Darunter: "Wer nach 20 Uhr auf der Straße ist, der ist tot."

    Aber auch tagsüber sind auf den Straßen der Slums, in denen Hands of Care and Hope tätig ist, keine bettelnden Kinder mehr zu sehen. Denn sie sind in der Schule oder bei der Theaterprobe.

    10-Euro-Gage

    Die Schauspieler des "Hope Theatre" bekommen übrigens eine monatliche Gage von zehn Euro, davon "kann man in den Slums einen Monat lang leben", so Bruckmeier. In der Innenstadt von Nairobi allerdings, wo die Touristen zu finden sind, kostet schon ein Kaffee vier Euro.

    MARIANNE FISCHER

    ZUR PERSON

    Stephan Bruckmeier , geb. 1962 in Wien. Lebt in Stuttgart.

    Inszenierte u. a. beim Carinthischen Sommer, am Wiener Volkstheater und Staatstheater Braunschweig. Theaterleiter und Kurator. Seit 2006 intensive Zusammenarbeit mit dem Kärntner Musikschulwerk, zuletzt "Simon Kramer".

    Tipp: Konzertante Aufführung des "Simon Kramer" am 26. Nov., 20 Uhr, Hypo-Alpe-Adria-Arena Klagenfurt.

    SPENDEN

    Stephan Bruckmeier finanziert das "Hope Theatre" über Spenden. Daueraufträge (z. B. 5 Euro) sind willkommen

    Spendenkonto: Raiffeisen-Landesbank Kärnten. Kontonummer 1003508, BLZ 39000, Kennwort: Hope-Theatre

    Weitere Infos unter: www.hope-theatre.info www.caritas-kaernten.at

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