Maximilian Schell erhielt den Goldenen Rathausmann
Der Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell wurde gemeinsam mit Siegfried Ramler, einem Zeitzeugen der Nürnberger Prozesse, im Wiener Rathaus geehrt.

Foto © APAMaximilian Schell wurde mit dem Goldenen Rathausmann geehrt
"Wollte er länger schlafen?" Maximilian Schell nahm es mit Humor, als sich Bürgermeister Häupl am Donnerstag bei der Verleihung des Goldenen Rathausmannes entschuldigen ließ. Die Überreichung im Roten Salon des Wiener Rathauses übernahm daher stellvertretend Vizebürgermeister Michael Ludwig, der neben Schell auch den gebürtigen Wiener Siegfried Ramler auszeichnete. Die gemeinsame Ehrung hat einen Hintergrund: Ramler wirkte vor 65 Jahren als Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen mit, während Schell für seine Rolle des Nazi-Verteidigers in der filmischen Umsetzung der Prozesse, "Das Urteil von Nürnberg" (1961), einen Oscar erhielt.
"Nur Fotografen hier, kein Mensch sonst?"
Schell, der in knapp drei Wochen seinen 80. Geburtstag feiert, wirkte bei der Verleihung zwar selbst ein wenig verschlafen, aber trotz allem bestens gelaunt - obwohl er sich bei der Verleihung mehr Publikum erwartet hätte. "Nur Fotografen hier, kein Mensch sonst?", stellte er überrascht fest, als er mit seiner Lebensgefährtin, der Opernsängerin Iva Mihanovic, den Roten Salon betrat. Die Blitzlichter der Fotografen teilte er sich jedoch gerne mit dem zweiten Preisträger, bei dessen Vorstellung sich Ludwig prompt versprach. "Stefan Ramler" rutschte ihm heraus - woraufhin ihn Schell auch bei seinem Namen verbessert. "Konrad. Konrad Schell", scherzte der 79-Jährige.
Rückkehr in die Heimatstadt
Ramler fand es "besonders wunderbar, mit einem Weltstar wie Maximilian Schell" ausgezeichnet zu werden. Für die Verleihung und eine Vortragsreihe ist der Dolmetscher nach 72 Jahren erstmals in seine Geburtsstadt zurückgekehrt. "Das hat für mich schon etwas Nostalgisches", so Ramler. Im Alter von 14 Jahren war er 1938 mit einem der Kindertransporte nach London geflüchtet, während Schell mit seiner Familie in die Schweiz ging. Der Schauspieler und Regisseur zeigte sich bei der Überreichung des Ordens "sehr dankbar" - nicht im Speziellen für die Auszeichnung ("Das ist der 'große goldene Rathausmann'? Der ist aber klein."), sondern vielmehr dafür, "heute zu leben". "Die Zeit war damals so rau, Menschenrechte wurden mit Füßen getreten", meinte der 79-Jährige.
















